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MS 311 - Brentano I : [Allgemeine Volkswirtschaftslehre] ; [Vorlesungsskript WS 1910/11]
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Talente proklamirt es, dass jeder Mensch nur any% Allem und OutenAnteil hat, je nachdem er eich entwickle und entfalte in seinemFähigkeiten. Die Renaissance führt das Prinzip nach Entfaltung undEintwicklung der ganzen Persönlichkeit mehr auf das Oebiet des Welt-lichen zurück mit Bevorzugung der oberen Stände; die Neuzeit hatdiese Auffassung wieder demokratisirt; so Kant, Goethe,St. Simon,eo auch die übrigen idealistischen Neuerer der modernen Zeit*

Das Ziel der volkswirtschaftlichen Entwicklung lat also die grösst-/mMgliche Entfaltung aller unserer Anlagen und eine diesen Anlagenentsprechende Beteiligung an den Segnungen der Kultur.

Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Erscheinungen fallen 2 Ge-sichtspunkte ins Gewicht*

a) gesellschaftliche und

b) politische.

ad a) Die gesellschaftlichen Gesichtspunkte werden von 2 Tendenzengeführt*

1) durch die der Differenzirung* soll der Einzelne dem idealen Zwecknäher kommen, so ist die Zunahme der Kultur selbst nötig; dies setztaber voraus die Ungleichheit der Existenzbedingungen innerhalb derGesellschaft. Diesem Bedürfnis dienen vor allem die Grundbedingun-gen des Fortschrittes* die Sonderrechte des Einzelnen an den Sachen*ohne dem ist überhaupt kein Fortschritt möglich.

8) die zweite Tendenz geht dahin die Kulturerrungenschaften untereine grosse Menge zu verbreiten. Dieser zweiten Tendenzbdienen diegrossen sozialen Bewegungen,heute insbesondere die Arbeiterbewegung.

Diese beiden Tendenzen,die der Differenzirung und die derVerbreitung der KAlturerrungenschaften unter die Massen sind in fort-währendem Kampf mit einander. Aber nur scheinbar widersprechen sie