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Zeiten, wie zum richtigen Verständniß der hh. Vater und derhl. Schrift.

Betreffs der hl. Schrift insbesondere verweisen wir auf dasletzte allgemeine päpstliche RundschreibenkroviäoutissiwusDons", äs stuäüs Lerixtnras Lamas, vom 18. Novbr. 1893.Wiederholt weist uns da der hl. Vater, zum richtigen Verständ-niß der hl. Schrist, an den bl. Thomas, als sicheren Führer.Da lesen wir: ,,8oä nova et lastiara inoremsnta er äisoipüna,Asossssrs 8 allolastiovrum. tzui, stsi in germanam ver-sionis latinas leotionem stuäuerunt ingnirsre, conkoctagus abixsis Lorrsetoria didlica plane lestavtnr, plus tamsn stuäüinänstrlaegus in interpraetations st explanations eolloeavsrnnt.Lomposito snim äilnciäegus, niliil nt nrellns anten, saoiornmvsrboram sensns varir äistineti; cujnsgus ponäns in rs tstso-loZiea perpensnm; äeünitas lidrorum partes, arAvwsnta par-tinin; investi ^ata soriptornin proposita; sxxlioata ssntsntiaruminter ipsas nscessitnäo ot oonnsxio: guidns ex rsdus nsmo uvnsnon vläet chüantnm sit luminis odseuiioribns loeis aämotnm.Ipsormn prastorea äs 8eriptnris lectam äoetrinas oopiam-inoänm proännt, tnm äs tsteoloZia lidri, tum in sasäsm eom-rnentaria; gvo etiam nomins Tkomas Lgninas inter-eos lradnit palmain. .... Drnvt antem (snvenesstnäia didliea) optims eomxarati, si, gua dlosmotipsiMonstravimns et praosoripsimns via, pstilosopdias sttlreolozias institntionvm, soäsm8.Tllomaänos, rsliZiosscolnerint psnitusgne xsrcepennt. Ita rsete inosäsnt, guum inre didlioa, tnm in ea tlreoloKias parto guam positivem nowi-nant, in ntragns laetissimv progeossuri."

Wie schon öfter, besonders im RundschreibenLetsrniDatris" vom 4. August 1879 und im Sendschreiben andie Erzbischöfe und Bischöfe BayernS vom 22. De-zember 1887, betont auch hier wieder der hl. Vater die gründ-liche Schulung in der Philosophie und Theologie des hl. Thomas.Dieser wiederholten Mahnung und Vorschrift des bl. Vatersist wohl, im Vergleich zu andern Ländern, in Deutschland undOesterreich, auch im engern Vaterlande Bayern , bisher nichtallseitig und mit vollem Eiter entsprochen worden. Und dochsollte uns als treuen Söhnen der hl. römisch-katholischen Kirche der Wunsch und Wille unseres hl. Vaters durchaus maßgebendsein. Freilich geht der Zug der Zeit weniger zum ernsten, an-strengenden, ipckulativcn Denken, als vielmehr zu apologetischen,historischen, socialen u. dgl. Studien. Aber ist nicht gerade zugedeihlichem und nachhaltigem, sowie vor Mißgriffen und sub-jectiven Schrullen gesichertem Wirken auf diesen Gebieten einegründliche philosophische Durchbildung unerläßlich? Darum ebenWeist Papst Leo auch in dieser Hinsicht immer wieder deutlichhin auf die durchaus zuverlässige, echt katholische Lehre des hl.Thomas. Der trügerischen Weisheit, mit welcher die geoffen-barte Wahrheit bekämpft wird, stellt sich in der echt thomistischenPhilosophie eiste ihr überlegene Wissenschaft entgegen. Diese alleinbefähigt auch den Apologeten, jenen Feinden des katholischenGlaubens, welche sich von der Vernunft nur leiten zu lassenvorgeben, zu zeigen, wie gerade der Glaube der Vernunft gemäßist und von ihr geboten wird (vgl. RundschreibenLeterniDeckels"). DaS System des hl. Thomas ist aufgebaut auf derrichtigen Bestimmung dcö Verhältnisses der natürlichen undübernatürlichen Ordnung, der Statur und Gnade. Und ebendeshalb enthält es den genauen wissenschaftlichen Ausdruck desChristenthums und seiner göttlich übernatürlichen Kraft. Nurdurch diese wird das Wohl der Gesellschaft gefördert. Nur durchdie echt christliche, thomistische Philosophie wird die Falschheitdcö modernen Rechtes aufgedeckt und seine Verderbnis abgewehrt.Gerade diese Philosophie zeigt uns in ihrem wahren Lichte undin ihrer ganzen Kraft die dein göttlichen Willen entsprungene festeRechts- und Gesellschaftsordnung, welche der Willkür und Gewalt-herrschaft von oben und unten gleichmäßig Schranken auferlegt.

Nun aber, wo ist die wahre thomistische Philosophie zufinden? Der hl. Vater sagt es uns ausdrücklich im Rund-schreibenLetsrni Latris" - Deovläets, eck sapleickia Uromasex ipsis ejas kontidus lururtatur, and saltem ex üs Avis, guosab ipso kante äeäuctos aälruo iickegros ot illimes äeourrereesrta ot concors äootorum liominum sontentia sst; oeä ab üsgui exinäs üuxisse äremrtur, rs antem alrenis st non saludrürusaguis orovsrnnt, aäolssosntium auiwos areeväos anrate."

Gründliche Kenntniß der Lehre dcö Aquinaten als einessystematischen Ganzen geht uns Deutschen zumal noch gar vielab. Diese können wir aber nur gewinnen durch eifriges Stu-dium der Werke des hl. Thomas unter Anleitung und Führungsolcher Männer, welche dessen Lehre gründlich kennm. Offen-bar bietet uns da die beste Bürgschaft die eigentliche Thomisten-schulc. Zu dieser Schule zählen auch die Mitarbeiter des für

seinen Zweck ausgezeichnetenJahrbuchs für Philo-sophie und spekulative Theologie", herausgegeben vonDr. Ernst Commer, o. ö. Professor der Theologie an der Uni-versität Breslau, literarisch vor allem wohlbekannt durch seintrefflichesSystem der Philosophie" (4 Abtheilungen). MitJuli d. Js. beginnt daS Jahrbuch bereits seinen 9. Jahrgang.Um den bei der Gediegenheit und schönen äußeren Ausstattunggewiß geringen Preis von 9 Mark, jährlich in 4 Heften, istdasselbe durch den Buchhandel zu beziehen. Den Verlag hatdie Firma Ferdinand Schöningh in Paderborn, Westfalen ,welcher die Ausstattung alle Ehre macht. Das beste Zeichender Empfchlenswürdigkcit dieser thomistischen Zeitschrift ist wohldas Zeugniß der wissenschaftlichen Gegner derselben. Wiederholtschon waren diese gezwungen, sämmtlichen Hauptmstarbeiterndes-Jahrbuchs ihre gründliche Kenntniß der Scholastik, ins-besondere des hl. Thomas und aller seiner Werke, zuzugestehen.

Unter den Abhandlungen des 8. Jahrganges hebenwir zur näheren Kenntiüßuahme der werthen Leser folgendehervor. Bereits im 7. Jahrgang begann eine Reihe von Ab-handlungen unter dem TitelHuasstiaues guoälibetales". DerVerfasser, R. k. Thomas Esser, Orä. Deasä., Professor der Theo-logie an der katholischen Universität Freiburg in der Schweiz ,eröffnete damit eine eigene Abtheilung. Diese ist dazu bestimmt,die häufiger vorkommenden scholastischen Grundsätze zu erklären,die wichtigeren Kunstausdrücke zu erläutern und alle jeneSchwierigkeiten zu heben, welche dem weniger Geübten beimLesen der aristotelisch-scholastischen Schriftsteller hinderlich sind.Im letzten Jahrgang wurde unter dieser Rubrik behandelt:Ursache und Verursachtes". U. D. Gundisalv Felduer, Lieg .8. Ideal. Orä. Draoä., als tüchtiger Theolog und Philosoph,ganz nach dem Sinne des hl. Thomas, durch mehrere Schriften,insbesondere auch über die Willensfreiheit, sowie Abhandlungenim Jabrbuch Vortheilhaft bekannt, behandelte die kotsntiaobeäientialis der Kreaturen. Diese längere Abhandlung wurdeveranlaßt durch die Schrift:Ueber die Empfänglichkeit dermenschlichen Natur für die Güter der übernatürlichen Ordnungnach der Lehre des hl. Augustin und des hl. Thomas vonAnilin", don Dr. A. Kranich, SubrcgenS am Priestcrseminar rc.in Braunsberg. Manche irrthümlichc Auffassung des hl. TbomaSseitens Dr. Kranichs wird hiebet von D. Felduer gründlichstnachgewiesen.

Aus derselben Feder stammt auch die gediegene Abhand-lung:Die Ncn-Thomisten", welche im letzten Hefte des 8. Jahr-gangs begonnen hat und im 9. Jahrgang fortgesetzt wird. Ver-anlassung zu dieser Abhandlung ist das molinistischerseits so sehrangepriesene Werk LeS R. D. FrinS, 8. ll.,8t. Vüomas.4guluatls äoetriua äs cooperrckions Der oum omur ucckuraoreata xraosertim üdera sie." Besprochen und als gewisser-maßen ausschlaggebend hingestellt wurde dies Werk in derPassauer Monatsschrift, 1. Heft 1891, S. 1425. Wer etwassich in R. 1?. Dnmmermuths, 0.1?., Werk:Draomotio pllxeroo.",sowie in Sckucider'sWissen Gottes" (4 Bände, Mauz, NegcnS-burg 1881/86) umgesehen, mußte wohl über letztgenannte Be-sprechung stark die Achsel zucken. D. Duminermuth's Werkwurde seinerzeit von Pros. Morgott (Eichstätt ) in zwei Artikelncingchendst und rühmlichst besprochen im Litcrarischcn Haudweiser.Schneider's genanntes Werk zählt st Regens Schneid (Eichstätt )zu dem Besten, was die neuere Zeit in philosophischer und theo-logischer Beziehung auszuweisen hat (Jahrbuch, 1. Bd. S. 303).Hoffentlich gelten doch auch beide genannte Herren allgemeinals literarisch urtheilsfähig. Ucbrigeus ist eS gewiß nicht ohneGrund geschehen, daß molinistischerseits Schucidcr'S Werk völligtodtgcschwiegen wurde. Wer objektiv urtheilen will, schaue sichauch solche Werke oder wenigstens die genannte Abhandlungdes Jahrbuchs genau und ruhig an. Dies so nebenbei, derWahrheit zum Zeugniß!

Von den Artikeln des Kanonikus Dr. Michael Glvßncr(München ) erwähnen wir:Die Philosophie dcö hl. Thomas",Gegen Frohschammer (begonnen im 6. Jahrgang), 6. Art. DieGotteSlehre, 7. Die Naturphilosophie;Der HerbnrtianiöiuuS rc."(vgl. Beilage der Postztg. 1894, Nr. 11 u. ff.);ApologetischeTendenzen und Richtungen", begonnen bereits im 4. Jahrgang.Schneider'S:Die Grundprinzipien des hl. Thomas und dermoderne Socialismus" (4 Artikel, 8. Jahrgang) werden auchfortgesetzt. Von den Kritiken heben wir als besonders belehrendbervor die über: Tillm. Pcsch, 8. ll., Die großen Welträthsel;Gutbcrlet, Die Willensfreiheit rc.

Doch genug der Empfehlung l Vor allem muß uns auchim Halten der Zeitschriften bestimmen der ausdrücklicheWunsch und Wille des hl. Vaters. Volts et legst

5. v. D.