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Augsburger Postzeitung. Augsburg : Moy, Kremer, Huttler, Haas & Grabherr, 1822 - 1897

Die „Augsburger Postzeitung“ wurde 1687 durch den Buchdrucker August Sturm unter dem Titel „Wochentliche Ordinari-Post-Zeitung“ als Wochenblatt mit katholischer Ausrichtung im damals vorwiegend protestantisch geprägten Augsburg begründet. Nach dessen Tod 1695 wurde sie von seiner Witwe Afra Sturm fortgeführt, die im selben Jahr den Buchdrucker Mathias Metta heiratete, der die Zeitung von 1696 an verlegte. Spätestens ab 1700 erschien sie mit vier, ab 1717 (geführt von den Erben Sturms und Mettas) mit fünf, später dann mit sechs Ausgaben in der Woche unter dem Titel „Augspurgische Ordinari-Post-Zeitung“. Im Oktober 1727 kaufte der mit dem Begründer namensgleiche August Sturm die Zeitung, als Verlegerin folgte seine Witwe, Theresia Sturm, und nach dieser 1740 Bernhardus Homodeus Mayer sowie später dessen Witwe.

Nach der Übernahme durch den Buchdrucker Joseph Anton Moy im Jahr 1766 avancierte die Zeitung zur wohl bedeutendsten im süddeutsch-österreichischen Verbreitungsgebiet. Unter dem 1780 von Moy eingesetzten protestantischen Schriftleiter Tobias Brandmüller wurde sie ein auch überregional beliebtes Nachrichtenorgan für alle Stände. Ab Januar 1798 unter dem Titel „Augsburgische Ordinari Postzeitung von Staats-, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten“ verlegt, begleitet von unregelmäßig erscheinenden Beilagen, erreichte sie Anfang des 19. Jahrhunderts mit rund 12.000 Exemplaren ihre bis dahin höchste Druckauflage. Allerdings setzte um 1810 ein deutlicher Rückgang der Auflage ein. Im Jahr 1827 wurde die Zeitung in „Augsburger Ordinari Postzeitung von Staats-, gelehrten, historisch- u. ökonomischen Neuigkeiten“ umbenannt. Nach dem Tod Moys 1813 führte sein gleichnamiger Sohn die Zeitung fort. Ab 1833 erschien sie unter ihrem dann über mehr als hundert Jahre beständigen Titel „Augsburger Postzeitung“.

Im Jahr 1840 wurde sie von Friedrich Carl Kremer übernommen und durch die tägliche „Beilage zur Augsburger Postzeitung“ und ein wöchentlich erscheinendes „Unterhaltungsblatt“ sowie ab 1841 durch ein „Sonntags-Beiblatt“ (ab 1859 „Augsburger Sonntagsblatt“) ergänzt. Ihre überregionale Bedeutung erlangte die „Augsburger Postzeitung“ wieder, nachdem 1855 der Ordenspriester, Politiker und Verleger Max Huttler in die Redaktion eintrat und das Blatt schließlich mit kirchlicher Unterstützung 1858 erwarb. Er und sein Chefredakteur Adolf Haas verliehen der Zeitung eine ausgeprägt konservativ-religiöse Ausrichtung.

Nach dem Tod Huttlers im Jahr 1887 ging die Zeitung an das Augsburger Druck- und Verlagshaus über, welches die religiös-politische Linie Huttlers weiterführte. Im Jahr 1897 wurden die Beilagen um die „Mitteilungen aus dem Rechtsleben“ erweitert. Zur Zeit der Weimarer Republik erschienen in der „Augsburger Postzeitung“ zahlreiche Artikel, die sich kritisch mit dem aufkommenden Nationalsozialismus befassten. Mit dem Verbot durch die Nationalsozialisten im Jahr 1935 wurde die Zeitung eingestellt.

Literatur

  • Karl Feistle: Geschichte der Augsburger Postzeitung 1838-1871. Diss. München, 1949.
  • Helmut Gier, Johannes Janota: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wiesbaden: Harrassowitz, 1997.
  • Hermann Hart: Die Geschichte der Augsburger Postzeitung bis zum Jahre 1838. Augsburg: Haas & Grabherr, 1934.
  • F. S. Hartmann: Die Augsburger Postzeitung und Neue Augsburger Zeitung im neuen Heim. Augsburg: Haas & Grabherr, 1913 (online).
  • Josef Lange: Stellung der überregionalen katholischen deutschen Tagespresse. Frankfurt/M.: Lang, 1974.
  • Ingeborg Salzbrunn, Günther Grünsteudel: Augsburger Postzeitung. In: Stadtlexikon Augsburg. Augsburg: Wißner, 1998. (online).