Was in dem vierten Aufsätze erinnert wird, kömmt itztfreylich zu spät. Herr Mendelssohn hat in der neue» Aus-gabe seiner philosophischen Schriften (°), in den Zusätzen zu denBriefen über die Empfindungen, (S. 24.) es selbst bemerkt,daß die Sinncnlust noch etwas anders sey, als Gefühl derverbesserten Beschaffenheit des Körpers, welche die Seele blosals Zuschauerinn wahrnehme. Er setzt hinzu, daß den har-monischen Bewegungen in den Gliedmaßen der Sinne, zuFolge der Verknüpfung zwischen Seele und Körper, ja auchwol harmonische Empfindungen in der Seele entsprechen müs-sen. Aber wenn durch diesen Zusatz die Frage unsers Verfas-sers: woher es die Seele erfahre, daß der Rörper in einenverbesserten Znstand versetzt worden? beantwortet ist: so istsie auch dadurch gcrechtfcrtigct. So nothwendig der Zusatz war:so scharfsinnig war die Frage. Auch ist es nur diese Frage,worauf er würde bestanden haben, wenn er, nach rcifrer Ueber-lcgung, ohne Zweifel die vermeinten zwey Erfahrungen (S. 61.)zurückgenommen hätte.
Und so dürften auch wohl, in dem fünften Aufsatze, ver-schiedene einzelne Behauptungen richtiger zu bestimmen, verschie-dene Erfahrungen genauer zu erwägen seyn. Z. E. ob eS wahrist, daß der Zorn zu den vermischte» Empfindungcn nicht ge-bore, indem wir nns des Zustandes, darein wir durch ihn ver-setzt worden, nie oh»c Unlust erinnerten i Aber dem ohngeach-tct bleibt auch dieser Aufsatz noch immer sehr schätzbar. DerUnterschied des Objectiven und Subjektiven ist wichtig, undunser Verfasser ist wenigstens der erste, der es zu erklären ge-sucht hat, warum die vermischten Empfindungen so angenehmsind, so anziehender sind, als die einfachen angenehmen Empfin-dungcn; welches nur immer blos als unstreitige Erfahrung an-gcnommc» worden. —
Man stößt sich nicht an einige »»förnilichc Posten, welcheder Bildhauer in einem unvollendeten Werke, von dem ihn derTod abgerufen, müssen stehen lassen. Ma» schätzt ihn nachdem, was der Vollendung darin» am nächste» kommt.
(°) Bon 1771, welche nnscrni Bcrs.isscr nicht zu Grsichlc gctommc».