Druckschrift 
10 (1839)
Entstehung
Seite
189
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Anti-Goeze. Lierlcr,

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lind linter welchen es vergönnt bleiben könne, Einwürfe ge-gen die Religion zu machen: der hat den Schnupfen ein we-nig zu stark.

Verständigen, heißt es alldort verständigen und ge-hetzten Männern kann es vergönnt bleiben, bescheidene Einwürfegegen die christliche Religion, und selbst gegen die Bibel zumachen." Aber von wem soll die Entscheidung abhängen,wer ein gesetzter und verständiger Mann ist? Ist der blos cmverständiger Mann, der Verstand gcnung hat, die Verfolgungzu erwägen, die er sich durch seine Freymüthigkcit zuziehenwürde? Zst der blos ein gcseyter Mann, der gern in dembequemen Lehnstuhlc, in den ihn sein Amt geseyt hat, ruhigsitzen bliebe, und daher herzlich wünscht, daß auch andre, wennsie schon so weich nicht sitzen, dennoch eben so ruhig sitzen blei-ben möchten? Sind nur das bescheidene Einwürfe, die sichbescheiden, der Sache nicht ans Leben zu kommen? die sich be-scheiden, nur so weit sich zu entwickeln, als ohngcfchr noch eineAntwort abzusehen ist?

Das letztere muß wohl. Denn der Herr Hauptpastor fährtfort:Es wird solches nöthig seyn, um die Lehrer in Othcmzu erhalten." So? nur darum? So soll alle Bestreitungder Religion nur eine Schulübung, nur ein Spiegclgcsechte seyn?-Sobald der Präses dem Opponenten einen Wink giebt; sobaldder Opponent merkt, daß der Rcspondcnt nichts zu antwortenhaben werde, und daß den Herrn Präses zu sehr hungert, alsdaß dieser selbst, mit gehöriger Ruhe und Umständlichkeit, dar-auf antworten könne: muß die Disputation aus seyn? müssenPräses und Opponent freundschaftlich mit einander zum Schmauseeilen? Doch wohl, nein: denn der Herr Hauptpastor setztja noch hinzu:und um solche Zeiten der Ruhe zu verhüten,unter welchen die Christenheit von dem 9ten bis zum 16tcnJahrhundert bcvnahe völlig zu Grunde gegangen wäre."Vortrefflich! Aber weiß der Herr Hauptpastor wohl, daß selbstin diesen barbarischen Zeiten doch noch mehr Einwürfe gegendie christliche Religion gemacht wurden, als die Geistlichen zubeantworten Lust hatten? Bedenkt er wohl, daß diese Zeitennicht darum der christlichen Religion so verderblich wurden, weil