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Ernst und Falk.
Falk.
Vielmehr muß ich dir danken, daß du Scharfsinn nennest,was du ganz anders hättest benennen können.
Ernst.
Gewiß nicht. Sondern ich w'ciß, wie leicht der Scharfsin-nige sich selbst bekriegt; wie leicht er andern Leuten Plane undAbsichten leihet und unterlegt, an die sie nie gedacht haben.
Falk.
Aber woraus schließt man auf der Leute Plane und Ab-sichten? Aus ihren einzeln Handlungen doch wohl?
Ernst.
Woraus sonst? — Und hier bin ich wieder bey meinerFrage. — Aus welchen einzeln, unstreitigen Handlungen derFrcymäurcr ist abzunehmen, daß es auch nur mir ihr Zweckist, jene von dir benannte Trennung, welche Staat und Staa-ten unter den Menschen nothwendig machen müssen, durch sichund in sich wieder zu vereinigen.
Falk.
Und zwar ohne Nachtheil dieses Staats, und dieser Staaten.Ernst.
Desto besser! — Es brauchen auch vielleicht nicht Handlun-gen zu seyn, woraus jenes abzunehmen. Wenn es nur gewisseEigenthümlichkeiten, Besonderheiten sind, die dahin leiten, oderdaraus entspringen. — Von dergleichen müßtest du sogar indeiner Spekulation ausgegangen seyn; gesetzt, daß dein Systemnur Hypothese wäre.
Falk.
Dein Mißtrauen äusscrt sich noch. - Aber ich hoffe, essoll sich verlieren, wenn ich dir ein Grundgesetz der Freymäu-rer zu Gemüthe führe.
Ernst.
Und welches?
Falk.
Aus welchem sie nie ein Geheimniß gemacht haben. Nachwelchem sie immer vor den Augen der ganze» Welt gehandelt haben.
Ernst.
Das ist?