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genstand entziehen lassen, an welchem sie ihren Witz zeigen kön-nen, war niemals sein Wille gewesen. Er konnte es allzuwohlwissen, daß in den Versen nur ihr Schatten wäre, welcher demmenschlichen Geschlechte wenig Abbruch thun würde.
Wenn ich nunmehr auf alles das zurück sehe, was ich indem Punkte der Unkcuschhcit zur Rettung meines Dichters bey-gebracht habe; obschon ein wenig unordentlich, wie ich, leider,gewahr werde--so glaube ich wenigstens so weit gekom-men zu seyn, daß man aus dem untergeschobenen Zeugnissenichts, und aus seinen eignen Gedichten noch weniger als nichts,schliesset, darf. Es bleibet vielmehr bey dem Urtheile des Au-gustus: puiiMmus penis! Das letztere, weil er freylich wohl sei-nen Theil an den fleischlichen Ergötzungcn mochte genossen ha-ben; das erstere aber, weil er durchaus in den Grenzen derNatur geblieben war. — — Doch genug hiervon!
Ich wende mich zu einer zweyten Beschuldigung, welche einenRömer, in so fern er ein Römer ist, fast noch mehr schimpfet,als die erste. Horaz soll ein feigherziger Flüchtling gewesenseyn, welcher sich nicht geschämt habe, seine Schande selbst zugestehen. Man weis, daß Horaz, als er sich in Athen , seineStudien fortzusetzen befand, unter der Armee des BrutusDienste nahm. Die historischen Umstände davon sind zu bekannt,als daß ich mich dabey aufhalten dürfte. Man weis, wie un-glücklich die Schlacht bey Philippis für den Brutus ausfiel.Sie ist es, an welche Hora; in der siebenden Ode des zwey-ten Buchs seinen Freund, den PomvcjuS Varus, erinnert:
"I°vcum piiilPpos, A celvrom tuFiMl
Konl'i, rolicta »an kono parmuls,(üum l'ractit Virtus U minacos"I^ifnv s»1um tetlAvi«? mvnto.Was für ein Bekenntniß! rufen alle aus, die sich des Schimpfserinnern, der sowohl bey den Griechen als Römern mit demVerluste des Schildes verbunden war — — Wir wollen dochsehen, ob sie diese Ausrufung nöthig haben?
Ich will nicht darauf dringen, daß ein Soldat, der seinSchild in der Schlacht eingebüßt, gleichwohl vollkommen tapferkönne gewesen seyn; daß er es nur eben dadurch könne cingc-