Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen
 

Rettungen des Horaz,

N

Man überlege diese Stelle genau, und sage, ob es dem Zu-halte derselben zufolge möglich sey, daß die Stoiker jemals soabgeschmackt gegen die Epikurcr können gestritten haben, als sieZvacier streiten läßt. Ist es aber nicht möglich, so muß ja auchdie vorgegebene Spöttcrcy des Horaz, und mit ihr die ganzesich darauf gründende Erklärung wegfallen. Es ist nicht nöthig,ihr mehr entgegen zu setzen, ob es gleich etwas sehr leichtesseyn würde; besonders wenn man die Gründe aus der Verdre-hung der letzten fünf Zeilen, und aus der gewaltsamen Hincin-prcssung des Wörtchcns keä vor tnne spleom, nehmen wollte.

Nach dieser Widerlegung wird man vielleicht glauben, daßich die alte Auslegung dieser Ode beybehalten wolle. Doch auchdiese kann, meinem Urtheile nach, nicht statt finden. Die Ver-änderung der Sekte wäre für den Horaz eine zu wichtige Bege-benheit gewesen, als daß er ihrer nicht öfter in seinen Briefenoder Satyren, wo er so unzählich viel Kleinigkeiten von sichcinflicsscn läßt, hätte erwchncn sollen. Aber überall ist ein tie-fes Stillschweigen davon. Auch das kann nicht erwiesen wer-den, daß Horaz gleich Anfangs der stoischen Philosophie sollezugethan gewesen seyn, welches doch seyn müßte, wann er siecurlus relietos nennen wollen. Ausser diesen schon bekanntenSchwierigkeiten, setze ich noch eine neue hinzu, die aus meinerAnmerkung über die Art, mit welcher die Stoiker von der gött-lichen Regierung der natürlichen Dinge philosophirtcn, hergenom-men ist. Wenn es wahr ist, daß nach ihren Grundsätzen derDonner am umzogncn Himmel nicht mehr und nicht wenigerdie Mitwirkung der Götter bewies, als der Donner am heiternHimmel; so kann Horaz den letzten eben so wenig im Ernsteals im Scherze als eine Ercignung ansehen, die ihn den Stoi-kern wieder bcyzutrctcn nöthige. Das erstere ist wahr, und alsoauch das lctztre. Oder will man etwa vermuthen, daß Horaz die stoische Wcltwcishcit nicht besser werde verstanden haben, alsseine Ausleger?

Laßt uns eine bcßrc Meinung von ihm haben, und ihn womöglich wieder ihre unzcitigc Gelehrsamkeit vertheidigen! Unzci-tig ist sie, daß sie da Sekten sehen, wo keine sind; daß sie Ab-schwörungen und Spöttcrcycn wahrnehmen, wo nichts als gc-