Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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Rettungen des Horaz .

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Regenbogens, rings lim die Sonne; lind gleich darauf schlugder Donner auf das Grabmahl der Julia, des Cäsars Tochter.Diese Ercignung ward, wie man sich leicht vorstellen kann, zumgrößten Norlhcilc des Augustus ausgelegt. Und wie, wanneben sie es wäre, auf welche Horaz hier zielet? Er war zwar,wenn ich die Zeiten vergleiche, damals nicht in Rom , aberkann nicht schon die Erzchlung einen hinlänglichen Eindruck aufihn gemacht haben? Und dieses vielleicht um so viel eher, jelieber es ihm bey seiner Zurückkunst, nach der Schlacht bey Phi-lippis, seyn mußte, eine Art einer göttlichen Antrcibung ange-ben zu können, warum er nunmehr von der Parthey der Mör-der des Cäsars abstehe. Wollte man diesen Einfall billigen, somüßte man unter den Göttern, die Horaz wenig verehrt zu ha-ben gestehet, den Eäsar und Augustus, welchen cr mehr alseinmal diesen Namen giebt, verstehen; und die int-uiam-piontisin mußte man für den Anhang des Brutus annehmen,welcher in der That zwar cin tugendhafter Mann war, aberauch in gewissen Stücken, besonders wo die Freyheit mit ein-schlug, die Tugend bis zur Raserey übertrieb. Diese Auslegung,glaube ich, hat ihre Schönheiten, welche sich besonders in denletzten Zeilen ausnchmcn, wo der Dichter von der Erniedrigungdes Stolzen, und von der llcbcrlragung der höchsten Gewalt re-det, die cr unter dem Bilde des Wipfels will verstanden wissen.

Ich will nichts mehr hinzu setzen, sondern vielmehr nochmalsbekennen, daß ich die erstere plane Erklärung, welche ohne alleAnspielungen ist, dieser andern weit vorziehe. Meine Leser abermögen es halten wie sie wollen, wenn sie mir nur so viel cin-gcstchcn, daß nach der lcztcrn, aus dem p-u^us vooiu», cultoik insi-e-juens, wider die Religion des Horaz gar nichts zu schlics-scn ist, nach der erstem aber nicht mehr, als man aus demLiede des rechtschaffensten Theologen, in welchem cr sich einenarmen Sünder ncnnct, wider dessen Frömmigkeit zu folgern be-rechtiget ist. Das ist alles was ich verlange.

Ich weis, daß man noch vieles zur Rettung des Horaz bey-bringen könnte; ich weis aber auch, daß man eben nicht alleserschöpfen muß.