Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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Theatralische Bibliothek.

Zcnc ist von den Franzosen und diese von den Engländerngemacht worden. Ich wollte fast sagen, daß sie beyde ans dembesondern Naturelle dieser Volker entsprungen zu seyn scheinen.Der Franzose ist ein Geschöpf, das immer grösser scheinen will,als es ist. Der Engländer ist ein anders, welches alles grossezu sich hernieder ziehen will. Dem einen ward es vcrdrüßlich,sich immer auf der lächerlichen Seite vorgestellt zu sehen; einheimlicher Ehrgcitz trieb ihn, seines gleichen aus einem cdclnGesichtspunkte zu zeigen. Dem andern war es ärgerlich, ge-krönten Häuptern viel voraus zu lassen; er glaubte bey sich zufühlen, daß gewaltsame Leidenschaften und erhabne Gedankennicht mehr für sie, als für einen aus seinen Mitteln wären.

Dieses ist vielleicht nur ein leerer Gedanke; aber genug, daß

cs doch wenigstens ein Gedanke ist.--Ich will für dicscs-

mal nur die erste Veränderung zu dem Gegenstände meiner Be-trachtungen machen, und die Beurtheilung der zweyten auf ei-nen andern Ort sparen.

Ich habe schon gesagt, daß man ihr einen doppelten Namenbeylegt, welchen ich auch so gar in der Ucbcrschrist gebrauchthabe, um mich nicht durch die blosse Anwendung des einen, soschlecht weg gegen den Bcgrif des andern zu erklären. Dasweinerliche Lustspiel ist die Benennung derjenigen, welche wi-der diese neue Gattung eingenommen sind. Ich glaube, ob schonnicht hier, sondern anderwärts, das Wort weinerlich, um dasFranzösische larmv^ant auszudrücken, am ersten gebraucht zu ha-ben. Und ich wußte cs noch jczt nicht besser zu übersetzen, wennanders der spöttische Ncbcnbcgrif, den man damit hat verbindenwollen, nicht verlohrcn gehen sollte. Man sieht dieses an derzweyten Benennung, wo ihre Vertheidiger ihre Rechnung da-bey gefunden haben, ihn gänzlich wegzulassen. Ein rührendesLustspiel läßt uns an ein sehr schönes Werk denken, da einweinerliches, ich weis nicht was für ein kleines Ungeheuer zuversprechen scheinet.

Aus diesen verschiedenen Benennungen ist genugsam, glaubich, zu schlicsscn, daß die Sache selbst eine doppelte Seite ha-ben müsse, wo man ihr bald zu viel, und bald zu wenig thunkönne. Sie muß eine gute Seite haben, sonst würden sich nicht