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Theatralische Bibliothek.
Standespcrsoncn in London mitbekommen, die er sehr sorgfäl-tig in sein Schnupftuch eingewickelt hatte. Als er nun durchdie Gassen schlenderte, konnte er die Grösse, den Reichthum unddie vcrschicdncn Gegenstände, die ihm alle Augenblicke in dieserberühmten Hauptstadt vorkamen, nicht genug bewundern. Erblieb oft stehen, und sein Geist war mit diesen Scenen so er-füllt, daß er auf das beschäftigte Gcdrcngc um sich herum we-nig Achtung gab. Als er nun endlich den Weg nach -Hanno-ver -Scmare, in einer zehnmal längern Zeit, als er ordentlichnöthig gehabt hätte, zurück gelegt hatte, und daselbst ankam,fand er, daß er seine Ncugicrdc habe bezahlen müssen; manhatte ihm nehmlich das Schnupftuch aus dem Schupsackc gezo-gen, in welches die Briefe eingewickelt waren. Dieser Zufallwürde einem, der weniger philosophisch gewesen wäre, als Hr.Thomson, sehr empfindlich gewesen seyn; doch er lächelte dar-über, und brachte hernach oft selbst seine Freunde durch die Er-zehlung desselben zum lachen.
Es ist natürlich, daß Hr. Thomson, nach seiner Ankunftin die Stadt, vcrschicdncn von seinen Bekannten das Gedichteauf den Minter zeigte. Es bestand Anfangs aus abgerissenenStücken und gelegentlichen Beschreibungen, die er auf des Hrn.XNallets Rath hernach in ein Ganzes zusammenbrachte. Sovielen Beyfall es nun auch etwa fand, so wollte es ihm dochzu keiner hinlänglichen Empfehlung bey seinem Eintritt? in dieWelt dienen. Er hatte den Verdruß, es vcrschicdncn Buch-händlern vergebens anzubiethen, welche die Schönheit desselbenohne Zweifel nicht zu beurtheilen vermochten, noch sich einesunbekannten Fremdlings wegen, dessen Name keine Anpreisungseyn konnte, in Unkosten setzen wollten. Endlich both es Hr.Malltt dem Hrn. Millan, jetzigen Buchhändler in Lhanng-croß an, der es auch ohne Umstände übernahm, und druckenließ. Eine Zeitlang glaubte Hr. XNillan sehr schlecht gefahrenzu seyn; es blieb liegen und nur sehr wenige Exemplare wurdendavon verkauft, bis endlich die Vortrcflichkcit desselben durch ei-nen Zufall cntdeckt ward. Ein gewisse» Herr Wharley, einMann von einigem Geschmacke in den Wissenschaften, der aberdie Bewunderung alles dessen, was ihm gefiel, bis zum Enthu-