Von den Trauerspielen des Sencca.
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hierauf, daß man den Altar und dc» Tempel mit Holz umle-gen solle. Er will das ganze Geschlecht des Herkules in seine,»Schutzortc, aus welchem er es nicht mit Gewalt rcisscn durfte,verbrennen. Amphitryo bittet von ihm weiter nichts als dieGnade, daß er zuerst sterben dürfe. „Sterben? spricht K.ycus.„Wer alle zum Sterben verdammt, ist kein Tyrann. Die„Strafen müssen verschieden seyn. Es sterbe der Glückliche;„der Elende lebe. Mit diesen Worten geht Ä.>'cus ab, umdem Ncprunus noch vorher ein Opfer zu bringen. Amphilrznweis weiter nichts zu thun, als die Götter wider diesen Wü-trich anzurufen. „Doch was flehe ich umsonst die Götter an.„Höre mich, Sohn, wo du auch bist! — Welch plötzliches Er-schüttern? Der Tempel wankt; der Boden brillct! Welcher
„Donner schallt aus der Tiefe hervor--Wir sind erhört!
„--Ich höre, ich höre sie, des -Herkules nahende Tritte.
Hier läßt der Dichter den Chorus einfallen. Der Gesangdesselben ist eine Apostrophe an das Glück, welches seine Wohl-thaten so ungleich austheile und den Eurystheus in leichterRuhe herrschen lasse, während der Zeit, da -Herkules mit Un-geheuern kämpfen müsse. Hierauf wird die Anrede an diesenHeld selbst gerichtet. Er wird ermuntert, siegend aus der Höllehervor zu gehen, und nichts gcringcrs zu thun, als die Bandendes Schicksals zu zcrrcissc». Das Exempel des Orpheus, welcherdurch die Gewalt seiner Saiten, Eurydiccn von den unerbittli-chen Richtern, obschon unter einer allzustrcngcn Bedingung, er-halten, wird ziemlich wcitläuftig berührt, und endlich wird ge-schlossen, daß ein Sieg, der über das Reich der Schatten durchGesänge erhalten worden, auch wohl durch Gewalt zu erhalten sey.Dritter Aufzug.
Die erwünschte Erscheinung des Herkules erfolgt nunmehr.Er cröfnct den dritten Aufzug, welcher von dem zweyten durchnichts als durch den vorigen Chor unterschieden wird. XNcgaraund Amphitr)-o sind nicht von der Bühne gekommen.
-Herkules redet die Sonne an, und bittet sie um Ncrzcihung,daß er den Ecrbcrus ans Licht gebracht habe. Er wendet sichhierauf an den Inpitcr, an den Neptun und an alle andereGötter, die von oben auf das Indische herabsehen. Dem Zupi-
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