Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
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447
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Lorrede zu Mylins Schriften.

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ncr nicht den nöthigen Fleiß zu ihrer Erziehung angewendethat. Der geistliche Vater kann oft in eben diesem Falle seyn,besonders wenn ihn äußerliche Umstände nöthigen, den Gewinnstseine Minerva, und die Nothwendigkeit seine Begeisterung seynzu lassen. Ein solcher ist alsdann mcistcnthcils gelehrter alsseine Bücher, anstatt daß die Bücher derjenigen, welche sie mitaller Müsse und mit Anwendung aller Hülssmitttcl ausarbeitenkönnen, nicht selten gelehrter als ihre Verfasser zu seyn Pflegen- - Nun lassen Sie mich anfangen. Aber wo wollen Sie, daßich anfangen soll? - - Das erste, was unter seinem Namengedruckt ward, war eine Ode auf die Schauspielkunst, oder viel-mehr eine Ode auf die Verdienste des Hrn. Prof. Gottschedsum die Schauspielkunst. Ihr Inhalt gab ihr ein Recht aufeine Stelle in den Belustigungen, die sie in dem sechsten Bandederselben fand. Ich nenne sie eine Ode, weil sie Herr 5N>'liusselbst so nennt, und ein Verfasser ohne Zweifel seine Geburtennennen kann, wie er will. Was halte ich mich dabey auf?Er hat sie nach der Zeit selbst verachtet, und die letzte Stropheziemlich boshaft parodieren helfen, wie Sie es in dem erstenTheile des Liebhabers der schönen Wissenschaften findenkönnen. So geht es fast immer, wenn man Leute von zwcy-dcutigcn Verdiensten allzusehr erhebt, ehe man sie näher unter-sucht hat. Man schämt sich endlich, daß man sich bloß gege-ben hat, und will allzuspät durch eben so übertriebene Beschim-pfungen die Lobsprüche vertilgen, die uns bereits lächerlichgemacht haben. Auf diese Ode folgten seine Betrachtungenüber die Majestät Gottes, welche aus einer oratorischcn Ue-bung entstanden waren, mit der er sich in der vertrauten Rcd -nergcscllschaft gezeigt hatte. Er fügte in der Umschmclzung, dienatürliche Erklärung des Wunders mit dem Sonncnzcigcr Ahas hinzu, welche mehr Aussehen machte, als sie verdiente. Siewissen, daß der Herr Inspektor Burg sich alle Mühe gegebenhat, sie zu widerlegen. Ich, meines Theils, habe sie allezeitbloß wegen der Dreistigkeit des Herrn Mylius bewundert. DerEinfall war nicht sein, sondern der Recensent der ParenrschenUntersuchungen in den ^etis Liu-Zitorum hatte ihn bereits ge-habt. Allein was dieser als einen flüchtigen Gedanken, der keine