Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
453
Einzelbild herunterladen
 

Vorrede zu MyliuS Schriften.

453

nologen. - - Warum darf ich nun nicht gleich darzu setzen: kurz,es ist ein vollkommncs Stück? Warum giebt es gewisse schwerzu vergnügende ekle Kunstrichtcr, welche eine anständige Dich-tung, wahre Sitten, eine männliche Moral, eine seine Satyre,eine lebhafte Unterredung, und ich weis nicht, was noch sonstmehr, verlangen? Und warum, mein Herr, sind Sie selbst ei-ner von diesen Leuten? Ich hätte Ihnen ein so vortrcflichcsO-uidproquo machen wollen, daß Sie meinen Freund den deut-schen Moliere nennen sollten. Ein deutscher Moliere! und die-ser mein Freund! O wenn es doch wahr wäre! Wenn es dochwahr wäre! - - Hören Sie nur, Hr. 5N>'lius mußte seine Aerzteauf Verlangen machen, was Wunder, daß sie ihm gcricthcn,wie - - wie alles, was man auf Verlangen macht. Kurz vor-her waren die Geistlichen auf dem A«nve zum Vorschein ge-kommen. Sie kennen dieses Stück; es hatte einen jungen Men-schen zum Verfasser, der hier in Berlin noch auf Schulen war,der aber nach der Zeit bessere Ansprüche auf den Ruhm einesguten komischen Dichters der Welt vorlegte, und selbst ausLiebe zur Bühne ein Schauspieler ward, nämlich den vcrstorbc-Hrn. Ärieger. Zn seinen Geistlichen hatte er die Satyre aufeine unbändige Art übertrieben, und ich weis überhaupt nicht,was ich von der Satyre halten soll, die sich an ganze Ständewagt. Doch Galle, Ungerechtigkeit und Ausschweifung habennie ein Buch um die Leser gebracht, wohl aber manchem Buchezu Lesern verholfcn. Die Welt konnte sich an den Geistlichennicht satt lesen; sie wurden mehr als einmal gedruckt; ja siewurden, was die Leser immer um die Hälfte vermehrt, confiscirt.So eine vortrcfliche Aufnahme stach einem Buchhändler in dieAugen. Er versprach sich keinen kleinen Gewinnst, wenn manauch andre Stände eine solche Musterung könnte paßircn lassen,und trug die Abfertigung der Aerzte dem Hr. Mylius auf, deres auch annahm, ob er gleich selbst unter die Söhne des Acscu-laps gehörte. Er brachte sonderbares Zeug in sein Lustspiel;eine Jungfer, der man es ansehen kann, daß sie keine Jungfermehr ist; ein Paar Freyer, die sich über eine künftige Frauzur Hälfte vergleichen, und ein Haufen Züge, die vollkommenwohl in eine schlechte englische Komödie passen würden. - - Doch

..'.'-'".s.-^;-"!.!^