Druckschrift 
4 (1838)
Entstehung
Seite
483
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Aus der Berlinischen Zeitung vom I. 1764.

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Was war also zu thun, damit sie gleichwohl bekannt würden? OhneZweifel hat der Verleger dieser Blatter den besten Einfall gehabt, denman in dieser Absicht nur haben kann. Er hat sie nehmlich nachdru-cken lassen, und ist entschlossen sie für ihren innerlichen Werth zu ver-kaufen, das ist, sie umsonst auszugeben. Sie stehen in den VoßischenBuchläden, hier und in Potsdam den Liebhabern zu Dienste.

(8. Oct>) Geschichte Herrn ^Larl Grandisono. In Briefenentworfen von dem Verfasser der pamela und der Clarissa.Aus dem Englischen überseyt- III. Band. Leipzig in der Vvei-demannischen Handlung 17S4. In 8vo. 1 Alphb. 16 Bogen.Man muß die ersten Theile dieser Geschichte nicht gelesen haben, wenninan auf die Fortsetzung derselben nicht äusserst begierig ist. lind eswird ohne Zweifel ein kleiner Strich seyn, den man der DeutschenNeugierde spielt, daß sie jetzt nur einen Theil davon erhält, anstattauf zwey gehoft zu haben. Das Meisterstück des Richardson solltebillig allen andern Büchern dieser Art die Leser entziehen; und wirhoffen auch daß es geschehen werde, wenn anders die in allen ihrenReitzungcn geschilderte Tugend noch fähig ist, die Menschen für sicheinzunehmen. Kostet in den Vossischen Buchläden hier und in Pots-dam 14 Gr.

(10. Oct.) Seneca/ ein Trauerspiel. Frankfurt am Maynbey Franz Varrentrapp. In 8vo. 7 Bogen. Ein sterbender Phi-losoph ist kein gemeines Schauspiel; und das Uuternchmen eines deut-schen Dichters, ihn auf die Bühne zu bringen, kein gemeines Unter-nehmen. Gesetzt, daß es auch nicht auf das vollkommenste ausfiele,so wird jener doch immer noch rühren; und dieses doch noch immerlobenSwürdig seyn. Ein schmeichelhafter Haupturtheil könntenwir von dem angeführten Originalstücke leicht fällen, aber ein gerech-ters schwerlich. Der Verfasser ist ein Dichter, dem es an Genie nichtfehlt, dem es aber an Flcisse desto mehr muß gefehlt haben. Und ermacht hieraus auch selbst kein Geheimniß, sondern wundert sich viel-mehr wie Racine zwey Jahr an seiner Phädra habe arbeiten können,und wie es möglich sey daß ein Gedicht, welches so viel SchweiS undZeit gekostet, gefallen könne. Wir wundern uns darüber nicht, undwürden uns vielmehr wundern, wenn das seine ohne diese mühsameAusarbeitung gefallen sollte. Man merkt es seinem Plane allzuwohlan, daß er in der Eil gemacht ist, die ihm nicht einmal vergönnt hat,

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