Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
19
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Lessinas Briefe. 1751.

habe». Hier folgen die übrigen Stücke, so viel als davon heraus sind.Ich würde Ihnen, ohne die geringsten Unkosten auf Seiten meiner,auch die hiesigen politischen Zeitungen mit schicken können, wenn ichglaubte, daß Ihnen damit gedient wäre. Sie sind, wegen der scharfenCensur gröstenthcilS so unfruchtbar und trocken, daß ein Neugierigerwenig Vergnügen darinne finden kan.

ES ist wahr; in Berlin sind Gelehrte die Menge, und unter diesenerhalten allezeit die Franzosen den Vorzug. Allein, ich glaube, daßauch Göttingen daran keinen Mangel hat, und daß ein Mensch, wieich bin, auch da aus einem große» Haufen hervor zu dringen hat,wenn er will bekannt werden. Ich glaube also, daß es von mir ebennicht allzuklug gehandelt seyn würde, wenn ich einen großen Ort miteinem andern vertauschte, wo ich als ein Unbekannter eine Menge Hin-derniß- von neuen übersteigen müßte, die ich hier zum Theil schonüberstiegen habe. Das wenige was ich in Göttingen zu hofcn hätte, kanin keine Betrachtung kommen, weil ich hier in Berlin , das Jahr über,wenigstens auf noch einmal so viel gewiße Rechnung machen kan.Meinen Sie aber, daß ich diesen Verdienst auch in Göttingen beybe-halten könnte, so irren Sie unmaßgeblich. Er hängt von verschiedncnPersonen ab, von welchen ich hernach allzuweit entfernt seyn würde,als das; ihnen an meiner Arbeit viel gelegen seyn sollte. Ehe ich inGdttingen dergleichen Personen wieder auftricbe, würden alle die Ver-drüßlichkcitcn mich nochmals überfallen, die mich hier, oft bis zur Ver-zweiflung gebracht haben. Und sind denn die Lo Thlc. und der freyeTisch schon ganz gewiß? Ich bin schon allzuoft angeführt worden,als daß ich mich auf bloße Versprechungen verlaßcn sollte. Sie habenRecht, Gottes Vorsorge muß bey meinem Glücke das beste thun, alleindiese kan hier eben so viel als anderwärts für mich thu». Ich habeüberzeugende Beweise davon, für die ich dem Himmel insbesondredanken würde, wenn ich glaubte, daß man ihm nur für das gute dan-ken müßte.

Das Lob, welches ThcophiluS in Meise» hat, hat mich ausneh-mend erfreut. Ich wünsche, daß er dc» Beyfall, den er in der Schulehat, auch in der Welt haben möge. Dem guten Hrn. Conrcktor hates gefallen seinen Groll gegen mich auch noch in diesem Briefe einwenig zu verrathen. Er kan aber nichtsdestoweniger versichert seyn, daßich alle Hochachtung gegen ihn habe, ob es mich gleich gar nicht reuet,daß ich ihm nicht in allem gefolgt bin. Ich weiß wohl, daß es seine ge-ringste Sorge ist, aus seinen Untergebnen vcrnünftge Leute zu machen,wenn er nur wackre Fürstenschülcr aus ihnen machen kan, das ist,

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