Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen
 

3^

Lessings Briefe. 1766.

zumachen, mit welchem ich das ernsthaste Deutschland auf Ostern be-schenken will. Und alSdcnn ^aettus srlemcire ioi>c>uo.')

Was sagen Sie dazu? AlleS/ was ich zu meiner Entschuldigunganführen kann/ ist dieses, daß ich meine Kindereien vollends auszukra-men eile. Je langer ich damit warte, desto härter/ fürchte ich, mochtedas Urtheil werden, welches ich einmahl selbst über sie fällen dürfte.

Sollte daS Publikum mich als einen zu fleißigen Schriftstellerein wenig demüthigen wollen, sollte es mir seinen Beyfall auch des-wegen mit versagen, weil ich ihn allzu oft zu erhalten suchte, so willich cS auf der andern Seite durch das Versprechen bestechen, daß cS,von künftige Ostern an, drey ganze Jahre von mir nichts zu sehen,noch zu hören bekommen soll.

°) Im I- 1765 waren Goldoni's Komödie» i» Deutschland »och ganzunbekannt. Ich machte daher i» der Bibl. der schönen Wissenschaften aus-führliche Auszüge daraus. Da ich im Ulten Bande S. IlS. unlrr anderndie »rede foriunsta anzeigte, imb bemerkte, daß es darin ziemlich verwirrtzugehe, wachte Lessings Idee wieder auf. Er schrieb mir (in einem Verlor-nen Briefe): Er wundere sich, daß ich gerade dieses Stück hätte tadelnwollen. Ihm hatte es so wohl gefallen, daß er daraus ei» anderes Stiiekzu mache» angefangen habe, welches nächstens solle gedruckt werden. Frey-lich! Ich Halle das Stuck beurtheilt, so wie es war; aber Lessing, nachdem, was ein Mann wie Er aus dem Sujet machen könnte. In seinemtheatralischen Nachlasse, sBd. II, S. 473 > steht sein Plan, woraus nia»deutlich sieht, daß er das Stück ga»z anders bearbeiten wollte. Gleich dieerste Scene ist interessanter angelegt, als die Eröffnnngssccnc beym Gol-den!. Für einen Anfänger in der theatralischen Kunst wäre die Bcrglei-chung dieses Plans mit dem von Goldoni lehrreich. Aber unsere Anfän-ger halten cS für überslüßig zu siudiren! Wenn ihr erstes Stück auf dieBühne gebracht wird, und auch die Hälfte der Scenen schülerhaft angelegtist, dünken sie sich schon mehr als Lcssing. Ei» Sujet auf verschiedene Artzu wende», verschiedene Plane zu versuche», und deren Wirkung zu prüfen,ehe sie Eine» ausführe», daran denke» sie nicht. Und doch ist Lcssing durchStudium geworden, was er war.

An der angezogenen Stelle des theatralischen Nachlasses, sBd. il,S.477 ffl findet mau auch den im I, 1768 gemachte» Abdruck des erste»Bogens der glücklichen Erbin. Wegen dieses Stücks veruncinigle sichLessing mit dem Buchhändler Reich in Leipzig . Reich battc Lessings Be-kanntschaft durch ihren gemeinschaftlichen Freund Hrn. Weiße gesucht, undnach einiger Zeit gab dies Gelegenheit, daß Lessing versprach, ein Bändchenvon sechs Komödien im Weidemannischcn Verlage herauszugeben. Die obenerwähnte kleine Veranlassung von meiner Recension hatte ihm seinen vor einPaar Zahrcn gemachten Plan der glücklichen Erbin wieder lebhaft ins Gc.