Ihre vortreffliche Ode halte ich hercils gelesen. Ich bin Schulddaran? und seit dem Januar 1769 an mehreren solchen Schuld?Run komme einer, und sage, daß ich seit dieser Zeit nichts gemacht!Ich will lieber an der geringsten von Ihren Oden Schuld seyn, als,ich weiß nicht was, selbst gemacht haben. Und ich will hoffen, daßmir es die Nachwelt auch höher anrechnen wird. Ich umarme Sie,liebster Freund, und bin
der Ihrige ganz,Lessing.
Hochjuchrcnder Herr Vater,
Ich muß schon wiederum um Ihre gütige Nachsicht bitten, daßich meine Antwort so lange verzögert habe. Meine itzigen Umständemüßen mich zum Theil entschuldigen, und die Ungewißheit und Unent-schloßenheit, in der ich mich solchen nach befinde.
Meine Verwirrung wird durch den Zufall, daß der G. v. T. ge-fäbrlich krank liegt, noch größer. Es mag aber diese Krankheit auS-schlagcn wie sie will, so ist die totale Veränderung meiner itzigenSituation immer gewiß, lls sollte mir leid thun, wenn sich meineliebsten Eltern durch unrichtig eingezogene Nachrichten von meinenbisherigen Umständen einen falschen Begrif sollten gemacht haben.Ich habe meines Theils gewiß keine Gelegenheit dazu gegeben, viel-mehr mich mchr als einmal geäußert, daß mein itziges Engagementvon keiner Dauer seyn könne, daß ich meinen alten Plan zu lebennicht aufgegeben, und daß ich mehr wie jemals cntschloßcn, von allerBedienung die nicht vollkommen nach meinem Sinne ist, zu abstrahi-ren. Ich bin über die Helfle meines Lebens, und ich wüßte nicht,was mich nöthigen konnte, mich auf den kürzern Rest deßclben, nochzum Sklaven zu machen. — Ich schreibe Ihnen dieses, liebster Va^tcr, und muß Ihnen dieses schreiben, damit es Ihnen nicht befremde,wann Sie mich in kurzen wiederum von allen Hoffnungen und An-sprüchen ans ein firirtcS Glück, wie man es nennt, weit entfernetsehen sollten. Ich brauche nur noch einige Zeit, mich aus allen denRechnungen und Verwirrungen, in die ich verwickelt gewesen, heraus-zusetzen, und alsdann vcrlaße ich BrcSlau ganz gewiß. Wie es weiterwerden wird ist mein geringster Kummer. Wer gesund ist, und ar-beiten will, hat in der Welt nichts zn fürchten. Sich langwierigeKrankheiten und ich weis nicht was für Umstände befürchten, die ei-nen außer Stand zu arbeiten setzen könnten, zeigt ein schlechtes Ve»trauen auf die Vorsicht. Ich habe ein keßeres, und habe Freunde.LeslmgS Werke xii. z z