Lcssings Briefe. 1768.
manche mit sonst gelehrten Leuten gemein; und diese sind es. bey wel-chen ich mich in dem zweyten Theile der Briefe vornehmlich aufhaltenwill: damit er nicht sagen kann, daß sie eine bloß persönliche Zank-schrist wären.
Hr. Prof. Hcyne in Göttingen hat, so bald er die Briefe erhal-ten, an mich geschrieben. Er ist eS selbst, der die Anmerkung gegenmeine Deutung des Borghesischcn Fechters in den Göttingischen An-zeigen gemacht hat. Aber er bekennt nun selbst, daß er seine Meynunganders hatte ausdrücken sollen, und daß er auf keine Weise hätte sa-gen müssen, daß ich diese Statue mit einer zu Florenz verwechselte.Er verspricht mir sogar, dieses nächstens zu widerrufen. Seine Mey-nung ist bloß, daß meine Deutung des Borghesischcn Fechters nocheher auf den MilcS Veles zu Florenz passen würde, als auf jenen.Und das ist freylich etwas ganz anders, als er in den Anzeigen gesagtzu haben schien.
Ich werde an dem zweyten Theile der Briefe anfangen, sobald ichmit meinem CataloguS und der Dramaturgie fertig bin; welches invier oder fünf Wochen seyn dürfte. Ich denke auch gewiß vor meinerAbreise noch damit fertig zu werden, die auf den Februar festgesetzt Kivot.Ich habe Hrn. Klopstock versprochen, ihn noch zuvor in Kopenhagen zubesuchen. Sein Herrmann wird nun gedruckt, und zwar in einer Ab-sicht, die für seinen Ruhm eine zweyte Mcssiadc werden kann, wennsie ihm gelingt.') Aber dieses Rälhsel muß zur Zeit noch unter un-sern Freunden bleiben, so Rälhscl, als cS ist. Ich denke zwar, ichhabe Ihnen in Leipzig schon etwas davon gesagt.
Wenn Sie von Hcrdcrn erlangen können, daß ich die Aushänge-bogen seiner Wälder zu sehen bekomme, so soll cS mir lieb seyn. Dennsonst dürfte ich sie wohl so bald nicht zu lese» erhalten. Ich denkein Rom andre Arbeit vor mir zu finden; und ich erlasse Sie daherIhres Versprechens, mir die gelehrten Neuigkeiten unsers Vaterlan-des nachzusenden.
*) Man halte nämlich, auf das Wort des Grafen v. Dictrichstei», Rom .Kais. Gesandten in Kopenhagen , die Hoffnung geschöpft, Kaiser Joseph (derdamals noch nicht einmal allein regierte) wolle die vorzüglichsten deutschenGelehrten mich Wien ziehen, und für dir deutsche Gelehrsamkeit viel thu».Dies erregte damals in Kopenhagen und Hamburg sebr große Hoffnungen.Sie wurden freylich nicht erfüllt, und man würde nicht einmal die Hoffnunggeschöpft haben, wenn man Kaiser Joseph's wahre Gesinnung über Gelcbr-samtcit, und den Zustand der Literatur in Wien unter Maria Theresia , rechtgekannt hätte. Nicolai.
LesgngS Wecke XII, 14