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LcssingS Briefe. j7t!i1.
bald z» bedienen schämen- Lassen Sic eS aber doch cinmal eine» inBerlin versuchen, über andere Dinge so frey zu schreibe»/ als Son-nenfels in Wien geschrieben hat; lassen Sic cS ihn versuchen, demvornehmen Hofvobel so die Wahrheit zu sagen / als dieser sie ihm ge-sagt hat; lassen Sie einen in Berlin auftreten, der für die Rechte derUnterthanen, der gegen AuSsaugung und Despotismus seine Stimmeerheben wollte, wie cS itzt sogar in Frankreich und Dänemark geschieht:und Sie werden bald die Erfahrung haben, welches Land bis auf denheutigen Tag das sklavischste Land von Europa isi> Ein jeder thutindeß gut, den Ort, in welchem er seyn muß, sich als den besteneinzubilden; und der hingegen thut nicht gut, der ihm diese Einbil-dnng benehmen will. Ich hätte mir also wohl auch diese letzte Seiteersparen könne». Leben Sic wohl,'liebster Freund!
Liebster Freund,
ES ist auf alle Weis- meine Schuldigkeit, »ach Braunschweig zukommen, um dem Erbprinzen in Person für die Gnade zu danken,die er für mich haben will, cS mag davon so viel oder so wenig würk.lich werden, als kann. Erwarten Sic mich also zu Anfange künftigenMonatS zuverlässig und brauchen Sic diese Zwischenzeit, alles nachIhrem besten Gutdünken einzuleiten. Ich bin sehr überzeugt, daßIhnen mein Vortheil angelegner ist, als mir selbst. —
Anbcv folget meine Untersuchung über den Tod der Alten; nebstdem Kupfer für den zweyten Theil der Antiquarischen Briefe. Ichlege von jener ein zweytes Exemplar bey, wenn Sie etwa für rathsamhalten sollten, es dem Prinzen gelegentlich zu zeigen. Denn es ihmausdrücklich tn meinem Nahmen überreiche» zu lassen, würde mehrsevn, als eine Streitschrift mit Klotzen verdiente.
Leben Sie wohl, liebster Freund, und melden Sic mir inzwischenmit cincm Worte, ob alles noch so zu seyn fortfährt, daß ich kom-men kann.
Dcro
ergebenster,Lessing.
An Eben.
Dero
Hamburg,den lt. Octbr. 17«9.
ganz ergebensterLessing.