Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
236
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Lcssings Briefe. 1769.

Er bedarf der Vermittelung eines Buchhändlers gar nicht. Freylichdarf er keinen offnen Laden haben, ohne dafür zu bezahlen; aber denwill auch der Gelehrte nicht. Der Gelehrte will nichts, als das Rechtseine Producte unmittelbar verkaufen zu dürfen :c. UebrigcnS suchenSie mir cZ doch nur ja nicht auszureden, daß Reich und mehrereBuchhändler, wenn schon nicht unter der Compagnie von DodZlcvbegriffen, dennoch für ihre Unternehmungen, den Gelehrten den Selbst-druck zu verleiden, sehr wohl gestnnet sind.*)

nicht. Nicht nur durften die Kolporteurs bloß kleine Traktätchen verkaufen(s. meine folgende Briefe vom 8. Nov. 17L9 und vom 43. Zulv 177V) undalso schon deswegen keine eigentliche» Bücher, sonder» es sollte auch, demGesetze nach, jedes Bnch, auch das 'kleinste Traktätchen, ehe es zum Vcr.kans kam, vorher in der c'ii-imiir« sv>">>c!,i>- registrirt sey». Die vorma.ligc» Gesetze i» Frankreich , den Buchhandel betreffend, waren weder zumVortheil des Gelehrten noch des Buchbäiidlers,' vielmehr für beide sehr drückend.Die Absicht dieser Gesetze war bloß, daß die Regierung kein Buch wollte vcr-kaiisen lassen, was ihr mißfiel. Dafür wollte man die 8>n>iics der Buch-händler responsabcl machen; also war es natürlich, daß man kci» einzigesBuch anders als durch die Buchhändler zu verkaufe» Erlaubniß gab, diewieder ohne Vorwisscn der »Duales gesetzmäßig nichts verkaufe» sollte».Daher mußte auch jeder Gelehrte, der ei» Buch auf seine Kosten druckenließ, es erst registrircn lassen, nnd anzeigen, wem er den Verkauf übertrage»hätte. Wäre der Eclcbrlc befugt gewesen, es durch jeden Kolporteur ver-kaufen zu lassen, so hätte ja der Kolporteur mehr Freyheit gehabt, als derBuchhändler. Und aus Freyheit waren gewiß die ehemaligen französische»Buchhandlungsgcsctzc nicht gerichtet. Nicolai.

") Lessing irrte sich l'icr abermal scbr, wie ich dieses im folgenden Bricseanzeige. Er machte sich einen ganz falschen Begriff von der Bnchl'andlnngund vom Verlagswesen. Daß seine Untcrnel'mnng in Gesellschaft mit Bodcnicht gelang, lag freylich daran, daß sie ibrcr Natur »ach nicht gelinge»konnlc, und daß auch in der Ausführung ganz gewaltige Fehler vorginge».Aber Lessing glaubte fest, durch seine Unlcrnrhniung, die nur der erste Schrittzu mrhrern ähnlicher Art scvn sollte, würde der Handel mit Bücher» eineganz andere Gestalt gewinnen; daher bildete er sich ein, die Buchhändlerhätten die Unternehmung gestürzt. Ueber Reich war Lcssing sehr empfindlich,weil ihm derselbe bey Gelegenheit einiger Komödien, die er der Weidmänni-schen Handlung in Verlag gebe» wollte, in der That ziemlich unartig begeg-net hatte. (M, s. meine Anmerkungen zn Lcssings Brief an Moses vom 8.December 1756.) Es war bekannt, daß Reich der Diktator der Buchhänd-ler seyn, nnd in allem, was dieselben anging, den Ton geben wollte: nndda Lcsfing sich einbildete, die Buchhändler in liurvor,- hätten die DvdslcvischcAnkündigung von Nachdruck angestiftet, so hatte er auch den Argwohn, Reich