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LcsfingS Briefe, 4770.
Ich schreibe Ihnen zuverlässig noch einmal vor meiner Abreise.Empfehlen Sie mich indeß allen unsern Freunden und bleibender meinigc.
Mein Gott! Ich habe Ihnen, liebster Freund, bloß Zeit lassenwollen, auch andern ehrlichen Leuten einmal zu antworten und nichtbloß mir. Da sehn Sie nun, wie man mit der besten Absicht fahrenkann. Im Ernst, ich nehme die Erkundigungen des Herzogs, wie ichsie nehmen muß. An den Herrn Kammerherrn von Kuntsch gerichtet, ge-schahen sie nur ein Gespräch mit ihm zu haben: Bcfremdungen, daß ich zulange ausbleibe, konnten sie nicht seyn. Denn ich habe mich ausdrücklichauf acht bis zehn Wochen bey ihm beurlaubt. Noch ist kaum der kürzere,geschweige der längre Termin verlaufen. Diesen werde ich einhalte»/so genau eS nur immer Sitte ist, dergleichen Termine einzuhalten.Ich bin in vierzehn Tagen, längstens drcv Wochen unfehlbar bey Ihnen.
Freylich hätte ich Ihnen auch nur das, indeß ein paarmal schrei-ben können. Aber ich dachte es verstünde sich von selbst und ich ver-ließ mich auf meiner Freunde aMciola inemlavi!,, dergleichen ich fürmeine Freunde jederzeit in Vorrath habe. Zudem ist ein Punkt inIhrem vorletzten Briefe, den ich lieber gar nicht zu beantworten hätte.— ES ist sehr viel Gnade von unserm E. P-, daß er mir die Kostenmeines Aufenthalts in Braunschweig vergüten lassen. Aber Sie glau-ben nicht, lieber Ebert, wie argwöhnisch ich bin, besonders in solchenDingen. Ich kann mir nicht einbilden, daß der E. P. von selbst dar-auf gefallen ist. Ich fürchte man hat eS ihm zu verstehen gegeben,daß ich etwas dergleichen erwartet hätte. Ich habe zwanzigmal meinganzes Betragen in Braunschwcig überlaufen, und mich jedes Wortszu erinnern gesucht, ob ich das geringste gethan oder gesagt, was dieseErwartung verrathen können. Der E- P. mag immerhin glauben, daßich der Erstattung bedarf: aber ich möchte nicht gern, am ungcrnstenvon ihm, für einen Menschen gehalten seyn, der etwas erwarten oderverlangen könnte, bloß deswegen, weil er eS bedarf. ES ist mir un-möglich diescrwegen an ihn zu schreiben; ich werde ihm bey Gele-genheit mündlich danken, und ich bin überzeugt, daß ihm das ge-nung seyn wird. Mein hiesiges Verweilen war, und ist noch höchst
Dero
Hamburg,den 3. Febr. 177».
ergebensterLessing.
An Ebert.