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12 (1840)
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Lessings Briefe. 1770.

sind vergebens gewesen. Unmöglich können Ihre Postillons so oft ge-klatscht haben/ als ich an Sie gedacht und Ihnen in Gedanken gutenWeg und gute Fahrt nachgerufen habe.

Ich danke Ihnen für die erste Nachricht, daß Sie wohlbehaltenüber den Harz gekommen sind. Es ist recht gut, daß Sie so lächer-liche Reisegesellschaft gefunden haben. Das Lächerliche ist meistensdas einzige Vergnügen, daS man sich auf der Reise machen kann.Nehmen Sie es ja überall mit: denn das Lachen erhält gesund, undmacht, wie man sagt, sogar fett. Fett rathe ich Ihnen nun zwarnicht zu werden; und fetter wird Sie ohnedem schon der Pvrmontcrmachen. Diese Wirkung haben Sie von ihm noch zu gute.

AuS Hamburg habe ich gestern, vom V. einen Brief erhalten. ESstehet da noch alleS gut. An eben dem Tage, da Sie aus Braun-schwcig reisetcn, hat der König von Dänemark dieser seiner liebenehemahls crbuntcrthänigen Stadt, nebst seiner Gemahlinn, zu Pferde,einen Besuch gegeben, und ist AbendS in der Comödie gewesen, umwenigstens Sevlcrn einen guten Tag zu machen, wenn er sonst auchkeinem Menschen einen gemacht hätte. Der V> schreibt, daß derTriumph der guten Frauen des Morgens angeschlagen gewesen,daß aber der Hof die Minna zu sehen verlangt, welche denn auchrecht gut gespielt worden. Ich weiß nicht, der V. schreibt so vielGutes von Scylcrn und seiner Truppe, daß cS wohl unmöglich bloßesMitleid seyn kann. Ich denke, Madame H, oder sonst eine Theater-schöne, hat sich mit ihm ausgesöhnt. Das Merkwürdigste ist noch die-ses, daß Sevler auf dem Ackermannischen Theater diesen Abend ge-spielt, welches man in Gutem nicht eröfncn wollen, so daß cS aufRefehl des Bürgermeisters mit Gewalt erbrochen werden müssen. Wieich höre, soll Ackermann Gift und Galle darüber speien.

Aber Schade auf das ganze Theater! Ich habe Ihnen noch etwasbesseres zu schreiben. Professor M, mit seinem Gefährten Pater St.,haben mich heute besucht. Haben Sie nicht auch in der Meinung ge-standen, daß er schon längst wieder zurück wäre? Er hat cS recht sehrbedauert, daß er Sie in Hamburg nicht getroffen. Er ist mit seinerReise, was die Absicht derselben anbelangt, sehr wohl zufrieden- nurvon den Russen hat er eine sehr schlechte Idee mitgebracht. Er ver-sicherte mich, daß er seinen Weg blos meinetwegen über Wolfenbüttel genommen, da er sonst über Hannover gehen wollen. Ich bin demManne recht sehr gut, ob er gleich ein Jesuit ist.

Nun, meine liebste Madam, lassen Sie mich bald von Nürnberg von Ihnen etwas hören. Ich habe mich niemahls mehr geschnet, dem