Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
258
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LcssingS Briefe. 1770,

zu ehren. Mein nächster Kummer dabey geht auf unsere MutterIch weiß, Du wirst alles anwenden, Sie zu trösten. Mache besonders,daß weder Sie, noch unsere Schwester sich wegen der Zukunft beküm-mern. Ich will hoffen, daß der scclge Vater doch noch den Briefwird erhalten haben, den ich vor sechs oder acht Wochen an ihn ge-schrieben. Wenn sie daraus die Unmöglichkeit gesehen, ihnen bis anhcrbcvjustehcn: so können sie doch gewiß versichert sevn, daß diese Un-möglichkeit auf das Künftige wegfällt, und sie auf meine äußersteUnterstützung unfehlbare Rechnung machen können. Schaffe Dn nur,mein lieber Bruder, vor das erste Rath, und glaube, sicherlich, daßich Dich nicht werde stecken laßen. Es kann nicht anders seyn, cSmüßen sich Schulden finden. Ich nehme sie alle auf mich, und willsie alle ehrlich bezahlen; nur muß'man mir Zeit laßen. Schreibe mir,was man für Versicherung dcSfallS von mir verlangen kann, und ichwill sie mit Vergnügen stellen. Nur muß unsre Mutter dadurch völligeRuhe bekommen.

Auch bitte ich Dich, lieber Bruder, wegen des Lcichcnstcines undder Kupfernen Tafel in der Kirche alles nach Deinem Gutdünken zubesorgen. ES wird mir alles recht seyn, und ich will die Kosten nichtallein mit, sondern recht gern ganz tragen.

Ich habe eS höchst nöthig, mich den traurigen Ideen, ohne dieich diesen Brief nicht schreiben können, zn entreißen. Nimm mir cSalso nicht übel, wenn ich schon abbreche. Vcrsichre meine Mutter vonmeiner Wchmuth und innigsten Zärtlichkeit gegen sie, die ich lieberdurch die That, als durch viele Worte beweisen will; und zugleichumarme für mich unsere Schwester, und sage ihr, daß ich meineThränen mit den ihrigen verbinde, und sie nicht vergeßen soll, daßSie einen Bruder hat, der bereit ist, alles für sie zu thun, was ihmin der Welt nur möglich ist.

Lebt zusammen recht wohl, und gedenkt meiner im Besten!

Dein

Wolfcnbüttcl den 8 Sevtbr. treuer Bruder

177«. _ Gotthold.

An Madamc Königs

Meine liebste Madam!

Allerdings habe ich Ihnen nach München geschrieben, und meinBrief muß nunmehr in Ihren Händen seyn, oder meine nachgemahlteAddrcsse hat ihn verunglücken lassen.