264 Lcssings Briefe. 1770.
der Graf Chorek ist, darauf ertheilte, war desto feiner: wir schä-men uns, wenn wir es sind. Ter andere ist schon ein Mann,und hat Euter in Italien , bey Mayland, wo er sich auch seil nennJahren aufgehalten, in welcher Feit er in Wien gar nicht gewesen,so daß ihn vielleicht auch da niemand kennt.
Ich darf nicht besorgen, daß Sie mich fragen: was gehen michdie Leute an? denn, wie gesagt, es sind recht sehr gute Leute; undalle gute Leute gehen einander an. Und nicht wahr, aus der nehm-lichen Ursache sind Sie, und der Schwedische GesandtschaftSprcdigerauch um meinen ehrlichen Götzen so sehr besorgt? Mich wundert nur,daß man Ihnen aus Hamburg nichts davon geschrieben. Der letzt-vergangene Bußtag in Hamburg ist, es gewesen, an welchem die Minegesprungen. Götze fragte bey dem Magistrale an, wie es mit demstreitigen Gebete gehalten werden sollte, und bekam zur Antwort, daßes bey Seite gelegt, und ein anders dafür gewählt werten sollte.Voller Verdruß hierüber, bat er um Erlassung von seinem Seniorale,und erhielt sie sogleich. Man erzählt, seine Frau sey darüber vorSchrecken in Ohnmacht gefallen, und will daraus schließe», daß ihmselbst die gesuchte vrlassung über alles Vermuthen gekommen. Abernicht wahr, das ist daraus nicht zu schließen? Sondern alles wasdaraus zu schließen ist, ist dieses, daß sich natürlicher Weise eine Frauüber den Verlust eines Titels nicht so leicht trösien kann, als derMann. Wenn die Frau Seniorinn auf einmal wieder Frau Pasto-rinn werden soll, das ist keine Narrensposse! Meinen Sie nicht?Jetzt sollen die abscheulichsten PaSauille wider diejenigen in Hamburg herum gehen, die Götzen zn diesem Schritte gezwungen: und wenndiese nichts helfen, so bedauert er es am Ende doch wohl selbst, daßer das Heft aus den Händen gegeben.
Von andern Neuigkeiten aus Hamburg weiß ich, so zu rede»,gar nichts. Denn ich muß es zu meiner Schande bekennen, daß ichin zwey Monaten an keinen Menschen dahin geschrieben. Meine ver-zweifelte Arbeit hat mich daran verhindert. Aber Gott sey Dank,nun bin ich damit zu Stande; und in dem nächsten Wiener Verzeich-nisse von verbotenen Büchern, werde» Sie den Titel wohl angezeigtfinden. Sie glauben nicht, in was für einen lieblichen Geruch vonRechtgläubigkeil ich mich dagegen bey unsern lutherischen Theologengesetzt habe. Machen Sie sich nur gefaßt, mich für nichts geringe-res, als für eine Stütze unserer Kirche ausgeschrieen zu hören. Obmich das aber so recht kleide» möchte, und ob ich das gute Lob nichtbald wieder verlieren dürfte, das wird die Zeit lehren.