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12 (1840)
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284
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Lesstngs Briefe. 1771.

zu hören, wo am nächsten mein Brief 'Sie wieder treffen würde.Sie haben aber recht sehr wohl gethan, daß Sie noch nicht abgereisetsind. Nur wenn Sie auf Frost gewartet haben, der die Wege bessermachen sollte: so mögen Sie nunmehr auch nur auf gelinde» Frostwarten; denn wenigstens hier ist es so strenge kalt, daß ich nicht ein«mahl gern an das Fenster trete.

Was für eine seltsame Besorgnis; hat mich um das Vergnügengebracht, von Ihnen um Rath gefragt zu werden! Sie fürchten, daßich Sie bedauern oder verlachen würde. Bedauern, das wäremöglich gewesen: und ich danke Ihnen, daß Sie mir keine mißver-gnügte Stunde mehr machen wollen. Aber verlachen? Wie fingenSie es denn an, daß ich Sie verlachen könnte? Mit einem lachen,mit einem zugleich über eine Verlegenheit lachen, aus der er sich selbstnicht geschwind genug helfen kann, das ist ja nicht das, was dashäßliche Verlachen sagen will, sondern ist eine unschuldige Lust, diesich Freunde einander nicht versagen sollten. Sehen Sie also, daßSie Unrecht haben; und wenn man Sie wiederum irre machen sollte:so hoffe ich wenigstens, daß Sie nicht zum zweytenmahle werden Un-recht haben wollen. Freylich haben Sie einen weit bessern Ralhgebcrganz in der Nähe, als ich größtenthcils zu seyn das Unglück habe.Aber demohngeachtet können Sie meinen Rath doch immer hören:wäre es auch nur um zu erfahren, ob Ihnen nicht etwa mein Rathwegen Ihrer Besorgniß Genugthuung machte; ich meyne, ob er Ih-nen nicht etwa Gelegenheit schaffte, vielmehr mich zu bedauern oderzu verlachen.

Ich komme auf unser gemeinschaftliches Projekt, glücklichwollte ich sagen, reich zu werden. Wahrlich, Sie sind, sehe ich,eine Frau, mit der man schlechterdings nichts verlieren kann. Wirsind wiederum, in der neunten Ziehung, .mit einer Nummer heraus-gekommen; wie sie aus beygehendem Ziehungsscheine sehen werden.Nehmlich mit Nummer 69. Ich habe auch schon dafür ein neuesBillet auf die zehnte Ziehung genommen: nur ist mir leid, daß eSschon ausgefertiget war, als ich Ihren letzten Brief erhielt, undNummer 19. dieseSmahl noch nicht wieder an seine Stelle kommenkönnen. Für Nummer 69. habe ich 77. genommen, und unser Billetlautet nun zusammen, auf 7. 36. 45. 47. 77. Noch etwas Beson-ders dabey muß ich Ihnen melden. Auch in Strahlsund hat mannunmehr ein Lotto, und vor kurzem ist die erste Ziehung geschehen.Hätten wir da mit unserm Billette eingesetzt gehabt was meinenSie, daß wir gewonnen hätten? Leider doch auch nur eine Ambe.