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LessingS Briefe. 1771.
diesem Monate wiederum ein solcher Schnee einfallt, als vor demJahre, wozu eS hier wenigstens ziemlich das Ansehen gewinnen will.Doch möchte es doch, wenn Sie nur erst in Brauuschwcig wären,lind von da aus nicht weiter fortkommen könnten.
Ich rechne darauf, daß Sie mir von Kassel oder Nürnberg ausnoch einmal schreiben: denn von da aus werden Sie wohl ziemlichden Tag Ihrer Ankunft bestimmen können. Ich bin voller Verlan-gen nach dieser,
Dero
ganz ergebenster Freundund DienerLcssing.
?l» Nciokc.
Wolfcnbüttcl. d, 26. April 1771.
Ich halte mir eben vorgeworfen, daß ich Euer Wohlgcbohrncnabermals auf zwey Briefe Antwort schuldig sey, als ich bey meinerZuruckkunfl nach Wolfcnbültcl (denn ich habe mich einige Zeit inBraunschweig aufhalten müssen) einen dritten vorfand. Und welcheinen dritten!
Die Ehre, welche mir Euer Wohlgcbohrncn durch Zueignung dcsneuen Bandes griechischer Redner erwiesen, war mir so unvermuthct,ist so ausnehmend, daß ich Ihnen die schmeichelhafte Bestürzung, indie ich darüber geriet!), nicht beschreiben kann, ohne meine Eitelkeitallzusehr zu verrathen. Ich suche auch nur vergebens Worte zu einerDanksagung, die aus weit mehr bestehen müßte, als aus Worten,wenn ich mich nur zu mchrcrm vermögend sähe. Ein Glück ist eSaber bey dem allen für mich, daß mir Euer Wohlgcbohruen selbstdie Gefälligkeiten anzeigen, die Sie, — statt alles Dankes, von mirerwarten. Aber wahrlich, diese sind einer solchen Bestechung nichtwerth, und ich finde mich von selbst geneigt genug, sie einem Gelehr-ten von Ihrer Art lieber aufzudringen, als zu gewähren. EmpfangenDieselben also meinen Dank zugleich auch dafür, daß Sie mir Ge-legenheit geben wollen, mich wenigstens darin» von der gewöhnlichenGattung der Bibliothekare auszuzeichnen, daß ich das, waS ich nichtselbst zu nutzen verstehe, fremder Nutzung nicht neidisch vorzuent-halten suche.
In dieser Gesinnung nehme ich keinen Anstand, Euer Wohlge-bohrnen den verlangten Codex des LibaniuS zu übermachen. Ich bitte