297
Zwar wenn ich bedenke, daß es nicht immer ungefällige Reisegefähr-ten sind, daß es öfters auch das eigene Hypochonder seyn kann, wel-ches die besten Anschläge zu nichte macht — Wahrlich, Sie sind sehrgransam, daß Sie mir es nun erst hinten nach bekennen, cS sey IhrWille gewesen, sich einige Tage länger in Braunschweig aufzuhalten!Und was trieb Sie denn also? An meinen Bitten hätte es gewißnicht fehlen sollen, wenn ich nicht um Etwas zu bitten gefürchtet,was ganz wider Ihren Willen sey. Gleichwohl, werde ich mich des-falls an Ihnen nicht rächen, sondern ich werde sicherlich bis auf denletzten Augenblick in Hamburg bleiben, als ich nur immer bleiben kann.
Mit künftiger Post muß ich schon einmal wieder an den V. schrei-ben; denn wenn ich es, wie wir ausgemacht haben, nicht wenigstensimmer auf seinen zweyten Brief thue, so bekomme ich nie einen wie-der von ihm. Gänzlich mich aber um seine Corrcspondenz zu bringen,möchte ich nicht gern. Sie ist so lehrreich, so erbaulich — Wennihn nur nicht der verdammte Lottvlogist um alle seine gute Laune ge-bracht hat. Doch ich hoffe, er wird auch das bald abgeschüttelt haben;um so mehr, da ich sehr gewiß zu sey» glaube, daß man ihm von
Str--aus nichts vorzuwerfen haben kann. Ihm aber das
Schicksal seines Bruders mit aufzumutzen, das ist niederträchtiger,als beissend. lind auch daher schon halte ich cS nicht für möglich,daß Sch — an solchen Nichtswürdigkeiten Theil haben sollte.
Daß aber sein liebes G doch nun auch von der Lesegesellschaftist, das muß er mir zu verschweigen seine Ursachen gehabt haben.Nun will ich auch gern um so viel weniger von der Gesellschaft selbstanders als mit der größten Hochachtung sprechen. Ehe ich mir cSversehe, sind Sie, meine liebe Freundinn, wohl auch selbst davon?Und warum sollten Sie nicht? Lassen Sie sich von der alten B°°nicht abhalten. Die bey Klopstocks Messias Nase und Maul aufsper-ren zu sehen, würde mir selbst lächerlich vorkommen. Aber ich wettewas, daß doch ihre Tochter Madam B. unter die Mitglieder gehört:denn ihr Mann selbst ist eine viel zu große Stütze des Parnasses.Folgen Sie also immer dem Exempel der Tochter, uud lassen Siedie Mutter schmähen.
Der Kitt zum Porccllain bestehet aus geronnener Milch und ge-löschtem Kalke; nur muß jene ganz ohne Rahm seyn, und durch einTuch rein ausgedruckt werden. Sodann nehmen sie drey Theile diesergeronnenen Milch und ein Theil von dem gelöschten Kalke, streichen esmit der Messerspitze gut durch einander, und leimen damit, was Sie