Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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Lessings Briefe. 1771.

mit den kritischen Untersuchungen schlechterdings abbrechen müssen;und ohne Zweifel ist es für die Schriften selbst um so viel besser.Denn diese kritischen Alfanzercycn sind doch nur nach weniger LeserGeschmack; da cS hingegen ungleich mehreren angenehm sevn wird,auch die Lieder in dem Bande zu finden, zu welchen ohnedies keineAbhandlungen kommen können, weil ich über die ganze Gattung nichtszu sagen weiß, als was schon tausendmal gesagt worden ist. Du be-kommst also hiermit, außer dem Beschlusse der Abhandlung über diegriechische Anthologie, ein corrigirteS Exemplar der Lieder, bey dessenAbdrucke Folgendes zu beobachten ist:

I. Die zwei Bücher sollen in Eins gezogen werden, und die Liederselbst können in der Ordnung auf einander folgen, wie cS derRaum leidet, oder Herr Ramler cS für gut findet.

II. Die mit einem Pfeile bezeichneten, und durchstrichenen Stückebleiben gänzlich weg, weil eS nichts als elende Rcimcrcven sind.

III. Die mit einem Haken bezeichneten würde ich ebenfalls ganz weg-lassen, wenn nicht auf diese Weise zu wenige übrig blieben. HerrRamler mag ein Werk der Barmherzigkeit an ihnen thun, soviel cS seine Zeit erlauben will.

IV. In denen, welche Herr Ramler in seine Lieder der Deutschenaufgenommen hat, und in den zweyten Theil derselben aufzuneh-men gesonnen ist, adoplirc ich alle von ihm gemachte Aenderun-gen und Verbesserungen: ausgenommen die einzige Wcglassungder letzten Strophe in dem Liede, die Gespenster, welche durchdie doppelte bevaeschricbene Veränderung (wovon er die beste wäh-len mag) ungleich bescheidener und erträglicher geworden. Ichhabe meine eigene Ursachen, warum ich diese Strophe der Kritiknicht aufopfern will.

Entschuldige mich nochmals bei Herrn Ramler, daß ich ihm nichtselbst bezeuge, wie sehr ich ihm für die Mühe, die er sich mit denSinngedichten gegeben, verbunden bin. Ich habe iht, wenn ich cS sonennen darf, eine eigentliche Wasserscheu vor allem, waS schreibenheißt. Aber morgen reise ich nach Hamburg , und wenn ich da, inanderer Gesellschaft und anderer Luft, meine alte Laune und Heiterkeitwiederfinde, so soll ein Brief an ihn das Erste sevn, was ich vor dieHand nehme. Nachdem eS mir in Hamburg gefällt, oder nicht, binich vielleicht im Stande, auf einige Tage nach Berlin zu kommen.Lebe bis dahin wohl, und empfiehl mich Herr» Voß, dem ich einekleine Vorrede zu dem ersten Bande nächstens aus Hamburg sendenwill, in der eS am schicklichsten seyn wird, etwas von dem Nachdrucke