Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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338
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Lessings Briefe, 1772.

von dem ersten Theile der vermischten Schriften. Ich muß nothwen-dig eins oder zwei nach Gdttingen, und noch ein Paar anderwärtswohin schicken, wo sonst keine Bekanntmachung derselben erfolgt, alsworan Herrn Voß selbst gelegen seyn muß. Versäume also ja nicht,mir deren wenigstens ein halbes Duhend mit erster fahrender Post zuschicken; und lege zugleich mit den französischen Traktat von Falconctüber seine Stniue oczu^tio. oder wie sonst der Titel heißt, bey, denich gleichfalls unter dem Uebcrsandtcn nicht gefunden, den ich aberauf Deiner Stube liegen lassen.

DeS lU-n'lim Stni-i!» llell-, »liiüil-!,, die mir Herr Kirnbcrger ge-schickt, ist mir sehr angenehm. Frage ihn aber doch, ob er mir dasEremvlar ganz ablassen will, und was eS kosten soll. Auch möchte ichHerrn KirnbcrgerS neuestes Werk gern haben, das hier in den Buch-lädcn nicht zu finden ist.

Die erste Hälfte meiner neuen Tragödie wirst Du nun wohl ha-ben; und ich bin sehr begierig, Dein Urtheil darüber zu vernehmen.Ich habe über keine Zeile derselben eine Seele, weder hier noch inHamburg , können zu Rathe ziehn: gleichwohl muß man wenigstensüber seine Arbeit mit jemand sprechen können, wenn man nicht selbstdarüber einschlafen soll. Die bloße Versicherung, welche die eigeneKritik uns gewährt, daß man auf dem rechten Wege ist und bleibt,wenn sie auch noch so überzeugend wäre, ist doch so kalt und unfrucht-bar, daß sie auf die Ausarbeitung keinen Einfluß hat.

Binnen acht Tagen, wenn ich mit dem Abschreiben nicht ausge-halten werde, soll der Rest folgen. Nun bitte ich Dich nur, auf dieCorrectuc allen Fleiß zu wenden. Am besten würde eS seyn, wennDu Dir das Manuscript bey der Corrcctur könntest vorlesen lassen.In der Orthographie der Namen ändrc nichts, und besonders bleibemir mit dem Ramlerschen K daraus weg, welches mich schon in denAbhandlungen über das Epigramm choqnirt hat. Die Namen sinditalienisch, und müssen also auch ihre italienischen Buchstaben behalten.

AuS Wien habe ich nichts gehört, und selbst will ich schlechter-dings keinen Schritt thun, weder mittelbar noch unmittelbar. Sonstdürfte ich mich nur bey dem StaatSrath Gebler erkundigen, welchermir seine neuesten Stücke geschickt hat.

Der Maler Calau , den ich ganz wohl kenne, ist freylich keingroßer Hexenmeister; auch seine Art zu malen mag jetziger Zeit sehrentbehrlich seyn: aber so viel muß ich ihm zum Ruhme nachsagen,daß ich aus seinen Urtheilen und Meinungen, die Art der Alten zumalen betreffend, verschiedene Stellen im ältern PliniuS habe verstehen