Lcssings Briefe. 1772. 383
schreiben, als bis ich Dir meine Beyträge -c. mitschicken könnte. Al-lein es möchte unter vierzehn Tagen noch nicht geschehen können, weilplötzlich mein Buchdrucker hier gestorben ist, und ich noch in den Ge-burtsschmerzcn der Vorrede darnieder liege. So lange aber darf iches wohl nicht anstehen lassen, Dir über einen andern Punkt zn schrei-be», den ich immer vergessen habe, zu berühren, Er betrifft denenglischen Roman, den Tu jetzt übersetzest. Nicht zwar die Stelle,worüber Tu meine Meynung verlangst, und in der ich nicht wüßte,wie das rüst anders zu übersetzen wäre als durch Rost, mag es dochklingen, wie es will: sondern die Uebcrsetzung selbst. Tu glaubstnicht, in welche Verlegenheit Tu mich unwissend dadurch setzest. —Kennst Tu den jungen S"? Hier lies einen Brief, den er schonvor langer als einem halben Jahre an mich geschrieben. Mit diesemBriefe, oder kurz vorher, hatte ich von ihm ein Exemplar von demMnn os iecliiig erhallen, von welchem er mein Urtheil zu wissen ver-langte. Tir die Wahrheit zu gestchen, ich habe ihm noch nicht geant-wortet. Aber was er davon denken dürfte, sollte mir gleich viel seyn;wenn er nur nicht denken könnte, daß ich besagtes Exemplar Tir ge-schickt hätte, damit Tu es für einen andern Verleger übersetzen könn-test. Tu weißt, daß das nicht ist. Thue mir also den Gefallen,ihm las Verständniß darüber zu eröffnen, welches durch VorzeigungTeincS Exemplars am besten geschehen kann. TaS seinige will ichihm nächstens zurückschicken. Ich habe es verleihen müssen, und derc§ hat, ist jetzt verreist. Diese Kleinigkeit ist mir wirklich ärgerlich.Und ich möchte wohl wissen, wie der Geyer Dich gerade auf einenRoman hat führen müssen, dessen Ucbersetzung dieser junge S ° °auch schon längst in dem Mcßkatalog angekündigt hat! Kennst Tuihn noch nicht, so wird cS eben so gut seyn, wenn Tu seine Be-kanntschaft bei dieser Gelegenheit machst. Es ist vielleicht kein un-ebener Mensch.
Herr Voß hat mir noch nicht geantwortet. Wenn er böse aufmich ist, so thut es mir leid. Gott weiß, daß es mir unmöglich ge-wesen, bisher mehr für ihn zu arbeiten. Die Beyträge mußten schlech-terdings gemacht seyn: denn ich will auch nicht umsonst Bibliothekarheißen; und eS würde mir am Ende sehr verdacht werden, wenn ichmich mit lauter fremden Arbeiten beschäftigte. Den zweyten Theilmeiner vermischten Schriften soll er auf Ostern gewiß haben; wasich ihm aber sonst auf diese Zeit versprechen könnte, wüßte ich nicht.Denn daß ich etwas wieder für das Theater machen sollte, will ichwohl bleiben lassen. Kein Mensch unterzieht sich gern Arbeiten, von