Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
386
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LcsstngS Briefe, 1773.

angenehme n»d in allem Betracht herrliche Hochzeit war. Es fehltean nichts; und zwanzig Dinge waren da, an die kein Mensch gedachthätte. Wer alles darauf gewesen, können Sie aus dem Bogen Versescheu, den ich um das Bewußte gewickelt, uud gestern auf die fah-rende Post gegeben habe. Wir haben bis an den andern Tag ge-schwärmt; und niemand ist zu Bette gegangen, als Braut und Bräu-tigam. Daß sie auf dem Wcghaufe war, die Hochzeit, versteht sich.Es hat ganz das Ansehe,!, daß auch die andern Schwestern, ihre al-ten getreuen Liebhaber bewegen werden, den nehmlichen Schritt znthun. Wenigstens ist es mit der einen, die seit vielen Iahren beyeinem gewissen O. C. im Hause ist, schon so gut als gewiß.

Ihr letzter Brief, meine Hebe, ist vom 6ten vorigen Monats;aber es ist keine Aulwort auf meinen letzten. In diesem, so vielich mich erinnere, ließ ick schon etwas von S. uud seinen Briefe»einstießen, noch ehe ich von Ihnen erfuhr, wie unglücklich er dadurchzu werden Erfahr laufe. Thue Zweifel haben Sie diese Briefe nunauch selbst gelesen; und Sie werden die Stellen hoffentlich nickt soganz gleichgültig überhüpft haben, worum der eitle Narr meiner ge-denkt. Ich bin besonders über eine nicht wenig aufgebracht gewesen;nemlich über die, wo er sagt, daß ich den Ruhm eines guten Man-nes weniger habe, als Kl., und nicht undeutlich zu verstehen gibt,daß ihm, ich weiß nickt, waS für Schandflecke meines moralischenCharakters, bekannt wären. Ich war eben im Begriff, einen sehrempfindlichen Brief deSfallS an ihn zu schreiben, ja gar diesen Briefdrucken zu lassen, als ich den Ihrigen erhielt. Sie haben mich mit-leidig gegen ihn gcmackt, ohne eS zu wollen. Auf wen alle zuschla-gen, der hat vor mir Friede. Wenn indeß die Sache doch noch bes-ser für ihn ausfällt, als es vor der Hand das Ansehen hat: sowünschte ich doch, daß Sie gelegentlich einmal ihn ans gedachte Stellebräckten, und ihm zu verstehen geben wollten, was verschoben sey,sey darum nicht geschenkt. Tenn das habe ich mir allerdings nochvorbehalten, sobald er den Kopf wieder zu hoch trägt, und die Lehrevergißt, die er vielleicht von manchen andern jetzt erhalten wird, ihmsodann eS doppell empfinden zu lassen, wen er auf eine so uichtöwür-dige Art beleidiget bat.

Eben erhalte ich einen Brief von G., mit seinem neuen Stücke,die Versöhnung. Haben Sie es denn wohl gesehen, meine Liebe?Es ist elender als alles, was er noch geschrieben, lind solch Acugfindet in Wien Beyfall? Er meldet mir zugleich, daß ihn der Vor-fall mit den Kl. Briefen veranlaßt habe, durch ein (!ircnlarschrcibcn