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An Heyne.
Wolfenbüttel , den 13. Jan. 1773.
Ew. Wohlgcboren prophezeylen mir einmal, daß. mir jener Funddes BercngariuS theuer zu stehen kommen werde; indem er wir ansolchen Untersuchungen Geschmack machen würde, die mich um meineFeit brächte», und sich nur selten noch so belohnen würden. Da ha-ben Sie die Erfüllung dieser Prophezeyuna! Wenn Sie so gütigsind, und glauben, daß ich wohl etwas Besseres hätte schreiben kön-nen: so vergessen Sie nicht, daß ein Bibliothekar nichts Besseresschreiben soll. Der bin ich einmal, und mochte cS nicht gern bloßdem Namen nach seyn.
Ich bin mit der vollkommensten Hochachtung :c.
Mein lieber Eberl!
Hier ist eine Gelegenheit, daß Sie ein gutes Werk befördernkönnen, und dafür kenne ich Sie, daß Sie wollen, wenn Sie kön-nen. Tie Superintcncur von Schöninge» ist offen, und H. will sichdarum bewerbe», Er schreibt heule an den E. P., und es könntekommen, daß der E. P. Sie fragte, ob Sie den Mann kennen. Erkennt ihn zwar schon selbst, wie ich glaube, von keiner schlechtenSeite. Aber er dürfte doch hören wollen, ob er auch andern so be-kannt sey. lind ich denke, das ist er Ihnen, wo nicht ans persönli-chen Umgänge, doch aus meinen öftern Erwähnnngen. Nun mag ichfreylich wohl schlecht urtheilen können, was für Salbung eigentlich zueinem Superintendenten gehört. Aber ich sollte doch meinen, daß we-nigstens Gelehrsamkeit und Rcchtschaffenheit dieser Salbung nicht hinder-lich sind, und daß cS der heilige Geist nicht übel nehmen kann, wennman ihm einen solchen Mann unterzuschieben sucht. Er ist neulichvon der Akademie zu Eöltingen zu ihrem Korrespondenten ernanntworden. Und sehen Sie- es ist doch eben auch nicht hübsch, wennLeute, die außer dem Lande den meisten Ruf haben, in dem Landedas schlechteste Brod essen. Also, und so weiter — Leben Sie rechtwohl, und nehmen Sie den Lohn dafür von Gott .Wolfenbüttel ,
den 14. Ienner 1773. Lcssing.