LessiNZs Briefe. 1776. 1776.
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gewiß, gan; gewiß wieder. Ich umarme Sie tausendmal, undbin Zeitlebens
der IhrigeL.
An Madame König.
Meine Liebe!
Je heiliger ich verspreche zu schreiben, desto gewisser werde ichdaran verhindert. Ich hatte den ersten Januar einen Brief mit denbesten Wünschen an Sie angefangen: aber da liegt der Anfang noch,und nun kann ich ihn doch nicht so ausschreiben, als ich ihn ange-fangen habe. Also nur das Wichtigste: Ich blieb in Wien bey mei-nem Entschlüsse, von meinen großen und vornehmen Bekannten dieseS-mal keinen einzigen zu sprechen, als ich »«vermuthet erfuhr, daß derB. v. Sch- aus Berlin angekommen sey. Mit diesem war die Aus-nahme unvermeidlich; ich ging also zu ihm, und er überredete mich,mit ihm wenigstens zum Fürst K- zu gehen. Des Tages darauf ließmich der Fürst zum Essen bitten: und um da nicht erscheinen zu dür-fen, was that ich? Ich ließ mich entschuldigen, weil ich den nehm-lichen Tag noch schlechterdings abreisen müßte, und reiste würklichab, so gern Ich auch noch einige Tage geblieben wäre.
Es war der Ste, da ich von Wien abreiste, und den loten binich über Prag allhier in Dresden angekommen. Weil ich das Vorigc-mal, und schon seit cilf Jahren, meine alte Mutter nicht gesehn hatte,so konnte ich diescsmal unmdglich so wieder bey ihr vorbeyrctsen. Ausdem einen Tage, auf welchen ich sie besuchen wollte, wurden viere;und so hat sich mein Aufenthalt in Dresden wohl bis heute verziehenmüssen. Ich habe indeß alle Ursache, sehr damit zufrieden zu seyn.Ich habe den Churfürsten selbst gesprochen, und dem Minister, Gra-fen v. S., habe ich versprechen müssen, wenn ich jemals Wolfenbüttel verließe, nirgends anders, als nach Dresden zu kommen. Der Chur-fürst hat mir die Stelle des Hrn. von Hagedorn, die 18oa Rthlr.einträgt, und welcher blind und krank ist, zugedacht, und bis dahin,wenn ich eher käme, sollte schon auch für mich Rath werden.
Dieses nun ist recht gut, um in Braunschwcig auf Etwas fußenzu können, wenn man das nicht für mich thun will, was man gegen-wärtig vielleicht zu thun gesonnen, und was mir immer unter allendas Liebste seyn würde. Und damit Ste sehen, daß ich nicht eitle