Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
470
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Messings Briefe. 1770.

der finde, so schreibe ich Ihnen entweder die Briefe das nächstemalohne Aufschrift, oder Sie sind wohl so gut und schreiben mir dieAddresse noch einmal.

ES ist mir lieb, wenn Sie versichert sevn können, daß MadameSch. unsere Annahme ihres Anerbietens im Ernste angenehm ist. Aberich verlasse mich nun auch völlig darauf/ daß sie keine Umstände ma-chen, und schlechterdings keine Gäste und Zeugen dazu bitten wird,außer ihren dortigen Anverwandten und Herrn König. Nach gesche-hener Verbindung müssen wir uns so kurz als möglich aufhalten: oder,wenn Sie, meine Liebe, noch ein paar Tage dort bleiben können undwollen, so gehe ich allein wieder voraus, und komme Ihnen bis Zellewiederum entgegen, welches bcvnahe da» Beste seyn würde, weil essonst mit unserm hiesigen Empfange ein wenig confuS hergehen möchte.Ueberhaupt ist eS nun hohe Zeit, uns über die Reise zu vergleichen.Ich weiß nicht einmal wo der Aork liegt, und ob ich über denZollcn-spiekcr muß oder nicht.

Ihre Sachen sind gestern trocken und wohlbehalten angekommen,und stehen in guter und sicherer Verwahrung.

Sie sind mir, meine Liebe, immer noch auf meinen zwevten letz-ten Brief Antwort schuldig; und ich weiß also jetzt nichts mehr hin-zuzusetzen (auch sind mir die Finger ganz «erklommen, so kalt isteS schon auf meinem Zimmer:) als daß ich Sie tausendmal in Ge-danken umarme, und die Zeit nicht erwarten kann, da ick Ihnen garnicht mehr zu schreiben brauche.

Ganz der Ihrige

L.

An Madame König.

Wolfcnbüttcl, d. 23. Sept. 1776.

Nun wohl, meine Liebe, so will ich denn den 0tcn gewiß beyIhnen seyn, und auch alle das Ucbrige sollen Sie einrichten, wie Siewollen. Aber wahrlich wegen unserer Anherkunft hat mich Ihr letzterBrief ein wenig in Verlegenheit gesetzt. Ich habe würklich geglaubt, daßSie sehr leicht einen Kutscher in Hamburg fänden, der Sie wenigstensbis Zelle brächte, wohin diesen Leuten die Wege ja wohl bekannt sevnmüssen. Freylich will ich hier wohl einen viersitzigen Wagen, entwe-der zu kaufen oder geliehen bekommen; allein einen viersitzigen Wagen,wenn ich auch nur alleine bin, läßt kein Postmeister unter vier Pfer-den fahren. Hierher aber würden wir wohl sechse nehmen müssen,