Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
499
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LessingS Briefe. 1778.

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An Eschenblirg.

Den 7. Januar 1778.

Ich kann mich kaum erinner», was für ein tragischer Brief daskann gewesen seyn, den ich Ihnen soll geschrieben haben. Ich schämemich recht herzlich, wenn er das geringste von Verzweiflung verräth.Auch ist nicht Verzweiflung, sondern vielmehr Leichtsinn mein Fehler,der sich manchmal nur ein wenig bitter und menschenfeindlich aus-drückt. Meine Freunde müssen mich nun ferner schon so dulden,wie ich bin.

Die Hoffnung zur Besserung meiner Frau ist seit einigen Tagenwieder sehr gefallen; und eigentlich habe ich jetzt nur Hoffnung, baldwieder hoffen zu dürfen.

Ich danke Ihnen für die Abschrift des Goezischen Aufsatzes. *)Diese Materien sind jetzt wahrlich die einzigen, die mich zerstreuenkönnen. Schumanns Antwort") ist weit schlechter ausgefallen, alsich erwartet hatte. Ich weiß kaum, was ich ihm wieder antwortensoll, ohne ihn lächerlich zu machen; welches ich nicht möchte.

An Eschenblirg.

Den 10. Januar 1778.

Meine Fran ist todt; und diese Erfahrung habe ich nun auchgemacht. Ich freue mich, daß mir viele dergleichen Erfahrungen nichtmehr übrig seyn können zu machen; und bin ganz leicht. Anchthut es mir wohl, daß ich mich Ihres, und unsrer übrigen Freundein Braunschwcig, Beileides versichert halten darf.

°) Zu der so genannte» schwarzen Zeitung, oder den Zicgraischc» frevwilligen Beyträge» v. I. 1778. S. LZ./ that Goezc dc» erste», obwohl»och ziemlich glimpfliche» und aiioin'inischc», Ausfall aus Lessinn. S. eineParabel, u. s. w. sÄd x, S, 121 ff.^ Eschenblirg.

") Ueber die Evidenz der Beweise für die Wahrheit der christliche» Re-ligion; Haimov. 1778. 8. LessingS Antworte» darauf sind die Schrif-ten- Ueber dc» Beweis des Geistes und der Kraft; u»d: das Testament Jo-baiinis, ein Gespräch. Eschenblirg.

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