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Lesfings Briefe. 1780.
ben. Aber es war doch gut, mir einen Fingerzeig zu geben, von wan-nen wir am besten ausgehen könnten.........
Ob cS mir möglich scvn'wird, eine weitere Reise mit Ihnen zumachen, kann ich zur Zeit noch nicht bestimmen. Mein Wunsch wärecS allerdings. Aber ich wünsche, was ich einmal wünsche, mit so vielvorher empfindender Freude, daß mcistcnthcils das Glück der Müheüberhoben zu seyn glaubt, den Wunsch zu erfüllen u. s. w.
An Elise Rcimarus.
Meine beste Freundin,
Das Befinden Ihres Hrn. Bruders macht mich unruhig. Hr.Campe meldet mir, daß er krank gewesen. Aber ich kann mich mitdiesem gewesen noch nicht zufrieden geben. Melden Sie mir alsoja mit erster Post, daß er ganz ausser Gefahr, ganz wieder hergestelltist. Ich weiß nicht welches Mitleid ich jetzt mit allen Kranken zu ha-ben anfange, wenn sie mich so nahe auch nicht angehen. Denn selbstbin ich 'doch eben auch nicht krank; sondern blos nicht gesund. Ichhabe ein schlimmes Flußfieber gehabt — und habe cS noch, denn denAugenblick ist es wieder da. Und das macht mir eine verdrießliche Ar-beit noch weit verdrießlicher; so daß es gar nicht aus der Stelle da-mit will, ob ich gleich keine Schrift mit gewaschnern und vollern Hän-den angefangen habe. Aber, Sie, meine Beste, für Ihre Person, undmit allen übrigen Angehörigen, sind doch gesund? - Schreiben Siemir doch auch, wenn Sie das sind, und seit einiger Zeit wenigstensso weit gewesen, daß Sie zur Kirche gehen können, ob es wahr ist,daß der Hauptpastor wtcderruffen? Wenn er das gethan hat, so ist ervollends ein Dummkopf und Schurke. Denn ihn konnte nun dochweiter nichts bey kümmerlichen Ehren erhalten, als wenn er allen Un-sinn, den er jemals gepredigt und geschrieben, es koste was es wolle,zu vertheidigen fortfährt. Ist der Text von seiner Wiedcrrufspredigtzu haben?
propog! Sie haben doch schon gesehen, daß sich endlich dieallgemeine deutsche Bibliothek entschlossen, ihr Schweigen zu brechen?Und haben auch doch schon gelesen, wie armselig die Blindschleichedaher gerutscht kömmt? Was meinen Sie, wie ich mich bev beydenverhalten soll?
Und noch eins: ES ist Ihnen doch auch zu Gesichte gekommen,was vor einiger Zeit in dem Reichsvostreuter stand? Nehmlich, daß