Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
547
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Messings Briefe, 1780.

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seinem Vater zu mache». Denn im Grunde mag ich mich doch anchwohl dabey tröste»/ daß am Ende jemand kommen wird/ der demRichter zuruft: Richter, seyd ihr des Teufels, daß ihr unsers gnädi-gen Herrn Bastart wollt hängen lassen? Und weiß ich denn etwanicht, wessen großen Herrn lieber Bastart ich bin? Also nur frischdie Leiter hinan! und daß nur niemand besorge, als werde ich mich

wohl gar aus Angst »erschnappen!---

Eben werde ich in diesen HcnkcrSgcdanken unterbrochen. Nächstensein mehrcrcS! Behalten Sie mir Ihre Freundschaft auf alle Fälle, dieich in keinem zu mißbrauchen, oder hoher zu stimmen versuchen werde.Wolfenb. den 28 Novbr. 178», L.

An Elisc Rcimarus.

Ich erinnere mich wohl, daß mein voriger Brief weder halb nochganz war. Denn ich ward unterbrochen, und wollte den Posttag nichtganz versäumen, Aber daß ich ganz den Ton verfehlt hätte, in wel-chem ich Ihnen schreiben wollte, das hätte ich mir nicht eingebildet.Ich glaubte recht lustig geschrieben und ein so feines Histörchen miteingewebt zu haben! Und Sie erschrecken! Mein gntcS Kind, beyGott! DaS war meine Absicht nicht. Eben so wenig, als ich mitIhnen zanken wollte, daß Sie mir so viel Paradoxie zutrauen, alswohl schwerlich natürlich zu seyn pflege, Sie könnten ja wohl Rechthaben: und was wäre es denn? Ich könnte ja eben so gut Paradoxie,als andere Orthodoxie affectiec». Ich verstehe darüber so gut Spaß,daß cS fast keine Lust ist, mit mir darüber zu spassen, Seyn Sieruhig! DaS Wetter hat sich zwar noch nicht verzogen: aber ich habeso viele Ableiter auf meinem Hause, daß wen» die Vielheit der Ableiter selbst nicht etwa schädlich ist? worüber Sie Ihre» HerrnBruder fragen können ich zu diesem seinem Buche') noch mancheschöne Bemerkung zu geben hoffe. Ich weiß selbst nicht, warumich, seit einiger Zeit, gegen unsern Herzog ein wenig ärgerlich gewor-den bin. Aber er ist doch immer ein edler Mann, der keinen kleinenStreich an sich kommen läßt; und ein ehrgeiziger Mann, der sich vonkeinem vorschreiben laßt, und der eine» Schnl), der ihm Ehre machenkann, lieber aufdringt, als sich abbetteln läßt. Ich seh eS als einegute Vorbedeutung an, daß er mir anch schon ein Gutachten, überdie dermaligen Rcligionsbcwerzungcn, besonders der Uwange-

*) Rcimarus Abhandlung über de» Blitz, Lappcnberg,

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