LesimgS Briefe. 1781.
kranker als jemals. Nicht daß mein Kopf noch in meinem Magenlogirrc. Dank sey es den Pillen Ihres Herrn Bruders! Aber meineAugen logircn drinnen, und ich bin so gut wie blind.
Ich habe daher den Ketzer-Almanach zwar gesehen: aber gelesenhabe ich ihn noch nicht, bis auf einige Artikel, die ich mir habe vor-lesen lassen. Der Verfasser, wenn Sie es noch nicht wissen, ist der Feld-prcdigcr bey den l^ens ci'armes in Berlin . Sein Name ist mir entfallen.
Ja, wenn die Oberalten alle über eins dachten! So aber, wennder eine einen Ketzer, und der andere einen Orthodoxen aus diesemAlmanach wählt, und die engere Wahl immer noch dem guten Glückeüberlassen bleibt: so wird Hamburg so bald noch nicht aufhören, sichvon dieser Seite lächerlich zu machen.
Endlich kömmt es mit allem auf eins hinaus. Texte schreiben alle,und lassen sich alle so theuer als möglich bezahlen — und Texte sind Texte.
Ich komme wieder auf meine Blindheit. — Aber ich schreibe Ih-nen doch: werden Sie sagen — ES ist ein ausscrordcntlich Heller Tag,und ich habe eine neue herrliche Brille.
Ihr Herr Bruder wird sich erinnern, daß ich ihm schon vorzehn Fahren über meine Augen geklagt habe. Damals gab er mirzwei kleine Büchschcn, wovon das eine sehr klein, und versiegelt war,und wenn ich mich recht erinnere, ein Arcanum von van Swictenseyn sollte. Dieses habe ich noch uncrbrochcn in meinem Pulte. Wie,wenn ich dieses jetzt probirctc? Ich kann mich nicht mehr erinnern,wodurch ich damals besser ward. Ich lernte mich auch vielleicht nurin mein Unglück schicken, welches damals noch nicht sehr groß war. —Gott, wenn das auch wieder so werden soll! — Und wenn Sie vol-lends wüßten, wie lange ich über diesen Brief geschrieben!
Ich muß ihn nur abbrechen, wenn er endlich heute mitfort soll.
Wolfcnbüttcl den 21 Jcnncr Der Ihrige
1781. L.
An Herder.
Wolfenbüttcl, den 20. Jan. 1781.
Ich bin zwar bey weitem noch nicht wieder gesund. Da aberdoch das Manuscrivt, um das cS Ihnen zu thun ist, auf meiner Stubeliegt: warum sollte ich cS Ihnen nicht gleich schicken?
WaS dieses Buch auf meiner Stube macht? fragen Sie. Siewissen, daß I. V- Andrcä von viele» für den Stifter der Rosenkrcn-