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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
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21
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Briefe a» Lessing. 176k.

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schaft mehr lluruhe machen sollte, als sie mir Vergnügen verursachthat. Sie wissen, daß dieses beynahe eine unleugbare Folge ist ausmeiner Lehre von den angenehmen Empfindungen, und wenn ja nochSiiiwendungcn dawider zn machen sind, so mag ich sie für diescsmahlnicht hören. So nnphilosophisch macht mich der Gedanke, oder viel-mehr die Furcht, ich werde in einigen Iahren nichts von Ihnen hö-ren! Genug hiervon! Vielleicht werden Sie nicht ungern erfahren,daß ich diesen Sommer in meiner Lebensart die Aenderung treffenwerde, zu welcher Sie mir so ofte gerathen haben. Ich arbeite nichtlänger in dem Comtoir als K Stunden, von 8 Uhr Morgens, bisum 2 llhr Nachmittags. Alle übrigen Stunden sind für mich; dennauch die Zeit ist für mich, in welcher ich mich beschäftigen werde,an Sie zn gedenken, in dem Geiste mit Ihnen zu reisen, und michdurch Ihre» Umgang zu bessern und zu belustigen. Von allen Be-kanntschaften will ich mich, so gut sichs thun läßt, loS zu machensuche». Ich nehme den Hrn. Prof. Sulzcr und den Hrn. Nicolaians. Mit dem letzter» habe ich mehr als Bekanntschaft gemacht, ichglaube, daß es mit u»S schon bis zur Freundschaft gekommen ist, undder erste verdient cS wirklich, daß man seinen Umgang suche. DenHrn. von M. habe ich nicht wieder besticht, und wer weiß, ob es jegeschehen wird. Sie wissen, wie sehr ich die aufgetrcpvten Schwellen,und das fcycrliche Anmelden scheue. Die Morgenstunden sind Ihnengewidmet, weil diese nicht aufhören, mich an Sie zu erinnern: solange ich nicht Gelegenheit habe, sie eben so angenehm zuzubringen,als i» Ihrer Gesellschaft, und wen» werde ich diese Gelegenheit haben?

Um zwcyerlcl) mnß ich Sie noch bitten, bevor ich für dieses-mahl schließe Jedoch nur um einerlei)/ den» das andere, bin ichgewissermaßen berechtiget von Ihnen zu fordern, und wer bittet gernum das, worauf man einiges Recht zu haben glaubt? Ich bitte umdie Sammlung einiger naiven Stellen, die Sie aus den besten Dich-tern zusammen getragen haben, und davon Sie mir kurz vor IhrerAbreise etwas merken ließen. Wenn Ihnen diese Bitte unhöflich oderetwas eigennützig scheinet, so antworten Sie gar nicht darauf. Ichfordere hingegen die Ausführung von einem Einwürfe, den Sie mirin einem von Ihren Briefe» wider meine Widerlegung von Rousseau ,nur obenhin anzuzeigen schienen. Tas Recht, welches ich zu dieserForderung zu haben vermeine, gründet sich auf Ihr eigen Versprechen,daß Sie sich mündlich deutlicher erklären wollten. Weil ich vielesentbehren muß, so möchte ich doch nicht gern alles entbehren, was ichmir von unsrer Zusammenkunft versprochen habe.