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Briefe au Lcssing. 1757.
SiegeSlied muß cS das zweyte Trinklied heiße». S 4c>4. Herr Rodeanstatt Heinr. Rode. Ich wende alle mögliche Sorgfalt auf dasManuskript, und wir beyden lesen alle Stücke zwey bis dreymahldurch. Der Corrector muß sich also nur genau nach dem Manuscriptcrichten. ES sind doch in dem ersten Stücke solche grobe Druckfehlernicht gewesen. Herr Dyk muß ihm nur eine Strafpredigt halten.
Ihre Zusätze sind mir beyde ungcmein angenehm gewesen. Vonbeyden Liedern sagt man hier/ daß Gleim der Verfasser sey. Ich habewegen derselben schon einen lächerlichen Streit gehabt. Lieberküh»/der jetzt Fcldprcdigcr bey dem Prinz Hcinrichschen Regiment geworden,ist Verfasser der hiesigen Kriegslteder'), (von denen ich eben so urtheilewie Sie), und ist über den Vorzug, den man jenen gegeben hat, ent-setzlich ungehalten geworden. Er hat ein langes Billet an mich ge-schrieben, weil er mich für den Verfasser hält, und beklagt sich ent-setzlich, daß ich ihn, einen Prediger/ »inter einen Grenadierherab gestoßen hätte, wodurch ich unfehlbar seiner Beförderung hättespotten wollen; und Gott weiß, was er noch für närrisches Zeug her-schwatzt. Ich habe ihm geantwortet: Ich bedauerte cS, der poetischenSubordination wegen, daß sich der ungenannte Dichter nur den Cha-rakter eines Grenadiers, und nicht den Charactcr eines Generals ge-geben hätte, den er als Dichter so wohl verdiente; alSdann hätte sichder Herr Offtcier nicht zu beklagen. Ich habe ihm sonst ziemlich dieWahrheit gesagt.
Leben Sie wohl, mein liebster Lessing, und lieben Sie mich fer-ner. Ich bin
Ihr
Nicolai.
Liebster Freund!
Ich habe Ihren Brief erhalten. Sogleich auf einmal kann ichvorjetzt die 6« Thlr . nicht schicken. Aber ich kann Ihnen jetzt/ oh»edie geringste Beschwerlichkeit/ 30 Thlr./ und irgend in 4 Wochen noch
°.) Lieberküh» hatte in Berlin bey Winter: Zwey Rricgslieder voneinem preußischen Gffieier mit Musik drucken lasse», die ich i» derBibl. d. sch. Wissensch. S. 404. kurz anzeigte. Lcssing bekam vo» Gleimzwey von dessen damals noch „»gedruckte» Rriegsliedern eines preußi-schen Grenadiers/ und licsj sie »och i» dasselbe Stück S. 420. mit derrichtige» Bemerkung abdrucke», daß die Kriegslieder dieses gemeinen Solda-ten besser waren, als die des OfsicicrS. Nicolai.