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Briefe an Lesstng. t7<;7.
Stephanische Edition von 4to. Ein guter Vorsatz, wirst Du
sagen. Ja, wenn man auch nicht einmal den hätte! Doch immer vonmir selbst!
Du hast Deinen Schlaftrunk schon fertig und läßt daran drucke»?Ich kann Dir nicht helfen, Du mußt mir auf der Post ein Eremplarschicken: ich verspreche Dir, es soll aus meiner Hand nicht eher kom-men, als bis es allenthalben verkauft wird. Doch ich erinnere michauch, daß Du einige Blätter in Hamburg von dem, was Du schonin Berlin ausgearbeitet, verloren haben sollst. Hier schicke ich DirDein ganzes Manuskript; vielleicht überhebt Dich dieses einer Arbeitvon einigen Tagen.
Többelin hat zwar noch nicht das Privilegium; aber es ist sogut als gewiß. Er hat sich zu einer Summe in die Chargcnkasse er-boten, und Geld entscheidet. Koch in Leipzig wirbt auch um dasselbePrivilegium, wird aber zu spät kommen. Vielleicht giebt man cS bey'den, und da ist Herr Döbbelin geklatscht. Jetzt hört sichs ihm wie-der mit Lust zu. Er spricht nicht drey Worte, so schlägt er sich aufseinen dicken Wanst, und verspricht Deutschland eine Truppe, wie eSnoch keine gehabt und nach seinem Tode keine haben wird. Letzthinbeehrte er mich mit seinem Besuche, und sah einige Blätter von mei-ner Komödie liegen. „Wagen Sie sich auch an theatralische Arbei-ten?" — Ja. — „Ich werde junge Dichter unterstützen" — unddabey klopfte er mich auf die Achseln.
Schlich befindet sich in Danzig ; er soll seine Wechsel, die er dortzu zahlen versprochen, zurückgeschickt, aber demnngeachtet jemanden mitGeld hierher beordert haben, seine Pferde einzulösen. Er hat einenKassirer angenommen, der alle Tage die Gage» bezahlt, und nieman-den als sich und Herrn Schlich nebst seiner Dame am Tische leidet.Ich weiß nicht, ob Tn ihn kennst; er heißt K., und wohnt im Schnchi-schcn Hause. Ich möchte ein närrischeres Volk wissen, als die Komö-dianten! Herr B ° ° — — — ist sogar mit Deiner Dramaturgienicht zufrieden. Von seinem Schiffbruchc bis an die Klcopatra vonCorneille ist Dir kein Stück vollkommen gewesen. Er weiß, daß manseine Tragödie bey Euch aufführen wird, und zittert vor Deiner Kri-tik darüber im Voraus.
Dein
treuer Bruder,Karl.