Briefe an Lessiiig. 1769-
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Tragödie nur aus dem Auszüge kennen, den er selbst .davon macht.MoseS ist meiner Meynung, und versicherte mich, daß ihn das ganzeerste Wäldchen ärgere: nicht, weil H, Dich widerlegt, sondern, weiler so wenig eingesehen, wohin Du gewollt. Ueber das zweyte Wäld-chen, das Klotzen betrifft, möchte ich Herdcrn sehr loben, wenn ichauf mein Lob einigen Werth legen könnte. WaS wird aber Klotz zudem ganzen Herderschen Werke sagen? Soll er es loben? Ja! wennnicht das andere Wäldchen wäre! Soll er eS tadeln? Wenn nur nichtdas erste Wäldchen wäre! Ich bin begierig, wie er sich heraus windenwird. Er hat zwar, wie Du wohl wissen wirst, öffentlich allen Strei-tigkeiten mit Dir entsagt: ein Merkmahl, daß er sich sehr in die Engegetrieben sieht!
Ramler hat Dir selbst geschrieben. Er möchte gern eine Antworthaben. Zwar hat er mir nicht gesagt, was er Dir geschickt, aber ichglaube, ich kann cS errathen. Es werden seine Horazischen Odenseyn, die ich abgeschrieben habe, und die man bald gedruckt lesen wird.
Döbbelin ist schon mit seiner Truppe und seinen Pferden beynahevierzehn Tage hier, und darf nicht spielen. Er mag seyn, wie er will,so geschieht ihm diesmal Unrecht. Schuch, der freylich ein vorzügli-cheres Privilegium als er hat, ist nicht hier, sondern hat nur seinenHanswurst Bcrgcr hergeschickt, der Berlin mit elenden Operettenheimsucht, und uns nur selten eine Burleske giebt. Mit DöbbelinsRuin scheint man SchuchenS Untergänge zuvor kommen zu wollen.
Wie steht eS mit Deiner Dramaturgie? Willst Du nicht DeineMatrone von EvhesuS herschicken? Herr Riedel sagte letzthin in seinenErfurtischen Zeitungen: der zweyte Theil der antiquarischen Briefe seyunter der Presse. Weißt Du was davon?
Lebe tausendmal wohl, liebster Bruder; und vor Deiner Abreiseja noch einen Brief!
Dein
treuer Bruder,Karl.
Halberstadt , den 9. März 1769.
Alle Welt sagt, Lessing geht nach Rom , an die Stelle des gro-ßen winkclmaim. Und ging' er, Papst zu werden, so wär' es mei-nem patriotischen Herzen zuwider. Sollen wir unsere deutschen Män-ner den dummen Römern geben? den Pfaffen? Haben wir der deutschenMänner zu viel? — Den dummen Römern sagt' ich! Wie kann ich