Briefe an Lcssing. 17K9.
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Von unsern Eltern hatte ich letzthin Briefe. Sie wollten wissen,was ich mit Klotzen vorgehabt/ und denke»/ wie sehr ich ihn beleidigthabe. Wenn er es wüßte/ so hätte er eine vergnügte Stunde mehr!Die Schwester hat mir von ganzem Herzen abgcrathcn, Komödien zuschreiben: denn sie weiß »un von Klotzen, daß ich bloß zum Possen-spicl aufgelegt bin; und ich habe unserer Schwester für ihre» gutenRath gedankt.
Dein
trencr Bruder,Karl.
Liebster Freund,
Ich danke Ihnen für die Aushängebogen, die mir ungemeinesVergnügen verursacht haben. Wenn sich Klotz nu» nicht schämt, soweiß er gar nicht was Scham ist. Daß Sie gesagt haben, Sie hät-ten a» der Allg. d. Bibl. keinen Antheil, ist mir nicht allein nicht zu-wider, sondern ich danke Ihnen vielmehr dafür. Die elenden Bubenmit ihre» Vermuthungen und albernen Anekdoten sind ganz unerträg-lich. Ich habe mich gleich über die Stelle in den Erfurtischen Zeitun-gen geärgert, und ich behalte mir vor/ was Sie gesagt habe»/ l.'yerster Gelegenheit zu bekräftigen.
Die Parallele zwischen von Ha. und von He. ist leicht zu machen.Ha. ist ein ehrlicher Mann, der, so viel an ihm ist, die Künste beför-dert, und jedem geschickten Künstler zu helfen gesucht hat. He. hatteseine Rccommcndation zu Brühls Zeiten, als er noch etwas vermochte,vielen mittelmäßigen Köpfen angedeihen lassen; noch mehr —
Ha. liebt die Künste aufrichtig, und sucht nach seiner Art, so gründ-lich er kann, darüber zu Philosophiren. Er hat in seinem Buche dochimmer viele für Künstler nützliche Sachen. Hc. kann gar nicht philv-sophircn, und macht lauter unförmliches Geschwätz.
Ich will von Wien gern alles Gute glauben; aber berufen Siesich nur nicht auf Sonncnfcls! Wenn er dem niedern Adel ein PaarWahrheiten fagt, so bückt er sich zugleich desto tiefer vor dem höher»Adel, und vor allem/ was die Kaiserinn thut'). In allgemeinen AuS-
*) Daß Ich den Hrn. v. S., (dem ich übrigens das Lob, das seine bevmel'rerc» Gelegenbeilcii, besonders imtcr Kaiser Joseph, gezeigte Frcvmiilhig-teit verdient/ gewiß nicht entziehen will,) in diesem Brief nicht zu hart be-