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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssing. 17L9.

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Von Ihren, eigenen Rufe nach Wien bin ich äußerst begierig un-terrichtet zu scvn. Was Sie mir vcrrraucn, ist ein Heiligthum. Ichumarme Sie, und bin stets

Ihr

Nicolai.

Berlin , d> 24. Oktober 1769.

Liebster Freund,

Ihr Schreiben vom tl. Oktober*) habe ich in Leipzig erhalten,lind den ersten Augenblick, den ich nach meiner Zurückkunst frey habe,wende ich an, Ihnen zu antworten. Was also erstlich das Gerüchtbetrifft, das der dienstfertige Wittenbcrg °°) ausgestreuet, als wennKlotz meine Corrcspondenz mit ihm wolle drucken lassen, so bin ichdabei) sehr gleichgültig. Meine Briefe waren meist nicht sehr interes-sant, betrafen bloß Recensionen, und das, was fürs Publikum inter-essant seyn möchte, ist gewiß nicht zu seiner Ehre, und er wird esschwerlich drucken lasse»; denn ich habe ihm die Wahrheit oft sehrderb gesagt. Daß er von Ihnen Briefe in Handen habe, die er druckenlassen wolle, glaube ick) nicht. Es wird eben so unwahr scvn, alsdas Vorgeben, daß Lippert wider Sie schreiben wolle. Dies letztere istgewiß eine leere Erfindung von Klotzen, um Sie dahin zu bringen,daß Sie Lippertcn zuvorkämen, und Lippert dadurch endlich aufgehetzetwürde, mit Ihnen anzubinden. DaS möchte Klotz gar zu gern haben.

Ich habe unsern Freund Weißen wegen LippcrtS befragt. Der hatmir einen Originalbrief vom Zt. Juli von Lipvertcn an ihn gegeben,worin folgende Worte stehen:

Herr Klotz hat mir seit einem halben Jahre nicht geschrieben,ich aber auch an ihn nicht; denn er wollte, daß ich mich in seineläppischen Händel mit Lcssingcn mengen sollte, welches ich ihm aberabschlug, und dieses mag er übel genommen haben. Ich bin derMann nicht, der sich in kritische Zänkereven einlassen kann; dennerstlich ist mir die Zeit in meinem Alter zn kostbar, zwevtens bin ichnicht gelehrt genug, Fehler an andern tadeln zu können, und endlich

*) Dieser Brief ist, so wie mehrere, im September und Oktober 176Sgewechselte Briefe, verloren gegangen. Nicolai.

**) Wittenbcrg war Verfasser des zu Mona hcranskonnmnden Reichs-postreiters, einer politische» Zeitung. Da man nach Kloycns Tode sehrindiskreter Weise seine Korrespondenz drucken ließ, fand man doch für gut,meine Briefe wegzulassen. Wcrmml'lich, weil man die Wahrbeitc» schcuclr,die ich ihm in meinen Briefen an ihn sehr reichlich sagte. Nicolai.