Briefe an Lessing. 177N.
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daß Ihnen Wolfenbüttel nach Hamburg unausstehlich vorkommen würde,allemal geradezu behauptet habe, daß Wolfenbüttel wenigstens vor derHand Ihrer Neigung sehr gemäß seyn werde.
Sie glauben gar nicht, wie sehr Sie hier und in Leipzig der Ge-genstand aller Gespräche sind. Einer sagt- er wird sich nun ganz insantiquarische Fach werfen, und Gott weiß, ob er nicht gar Lateinischschreibt, um Klotzen wie den Hasen im Lager anzugreifen. Ein An-derer sagt: wer weiß, ob er länger als ein halbes Jahr in Wolfenbüt-tel bleibt, denn er muß nach Italien , und wenn er zu Fuße hingehensollte. Noch ein Anderer: Nein! er muß erst seine Trauerspiele her-ausgeben, und hat drey oder vier Lustspiele fertig, die er auch druckenlassen wird- Wieder Einer sagt: Nein! ans Theater denkt er gar nichtmehr. Einer sagt: den Laokoon macht er fertig, so bald er Italien ge-sehen hat; ein Anderer: wenn er Italien gesehen hat, so wird er sei-nen Laokoon liegen lassen, und lauter Antiquität schreiben. Wiederein Anderer sagt: ja da kennt ihr ihn noch nicht! er wird am Endeden ganzen Plunder von Antiquität wegwerfen, das Theater mit Goe-zen und Gesellschaft verdammen, und ein System der Theologie widerdie heutigen Socinianer schreiben.
Sehen Sie, liebster Freund, so sind Sie in der Leute Mäulern.Schreiben Sie mir, was ich antworten soll; oder wollen Sie etwanoch ein Paar Gerüchte von sich verbreitet haben, so bin ich zu Ih-ren Diensten.
Nun muß ich vor Sie treten, und ein wenig die Ohren hängenlassen, ut imyuae ment!« atollus. Da ist ein Bildniß mit einerschönen cli'.ip ä'argont-Weste vor dem Xlltc» Bande der Bibl-, wor-unter Ihr Namen steht. Sie sehen übrigens leicht ein, daß ich hier-an unschuldig bin, wie ein neugeborncS Kind, und daß es ein hämi-scher Streich von Klotzen ist, der uns zusammen Hetzen will. Manhat mir zwar sagen wollen, der Kupferstich wäre »ach einem Bildnisse,das Ihr Hr. Vater in Camcnz besitzet, gemacht; das kann aber nichtseyn, denn der würde doch ein Bildniß haben, das Ihnen ähnlichersähe. Kurz nochmals, ich bin an der ganzen Sache unschuldig, undSie haben sich an niemanden als an Klotzen zu halten.
Ferner sollen Sie hiermit wissen, daß ich von dem ersten TheileIhrer antiquarischen Briefe eine neue Auflage auf Michaelis werdemachen müssen, weil ich sehr wenig Exemplare mehr habe. Mit demzweyten Theile bin ich freilich nicht so glücklich. Sehr viele Buch-händler, denen ich ihn in der MichacliSmcsse gesendet habe, haben ihnzurück gesendet, so daß ich mit allem, was ich in der Ostcrmesse 1770
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