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merkte ich, daß die Chaise wich. Ich rief dem Postillon stille zu hal-len; wie wir nachsahen, so war der Nagel heraus, und Ke Chaiselag noch eben einen Strohhalm breit auf der Lvrderaxe. Ich kannes kcincm Andern, als Ihrem Gebete zuschreiben, daß ich allen denGefahren so glücklich entkommen bin. Wenn Sie reisen, so sollenSie auch meine besten Wünsche begleiten. — In Nürnberg habe ichmich in den fünften Tag aufgehalten; man wollte mir den Herrn vonMurr zur Gesellschaft bitten, weil er aber nie in dem Hause gewesenwar, so verbal ich es, und habe also auch nicht das Vergnügen ge-habt, ihn kennen zn lernen. Er ist Waag-Amlmann geworden, eineStelle, die ihm 3l)v st. einbringt. Tiefes, und daß ich den Prciß-lcrischcn Kupferstich vom Doktor Luther gesehen, (welcher »iciucmDünken nach sehr gut gestochen ist) ist alles das Neue, so ich Ihnenvon Nürnberg sagen kann; ich mogte denn hinzusetzen, daß ich daso aufgenommen worden bin, daß ich die Nürnberger fast süße Leutenennen mögle. ES waren mir zwey Herren und eine Dame bis Er-langen ciilgcgcn gekommen, die sich vergebens zwey Nächte da aufge-halten, und mit der größten Bcsorguiß, drey Slnndcn ehe ich daeintraf, wieder zurückgekehrt waren, mit dem Vorsatz: Einer davon,sollte mir den andern Tag so weit entgegen reiten, bis er mich an-träsc. Alles dieses erzählte mir der Postmeister mit so vieler Lebhaf-tigkeit, daß ich meinen Vorsatz änderte, die Nacht in Erlangen zubleiben, um die Leute den andern Morgen nicht wieder zwey Meilenmachen zu lassen. ES war ein rechter Nürnberger Einfall, den Abendzurückzugehen, und den andern Morgen wieder denselben Weg machenzu wollen. Sie können denken, was das für gute Leute seyn müssen,demohngcachlct bin ich froh, daß ich von ihnen, und hier bin, woich ebenfalls von allen überaus freundschaftlich begegnet werde. Ichstehe nicht dafür, daß ich nicht sehr aufgeblasen und stolz zurückkomme,wenn ich überall so aufgenommen werde, wie bisher. Ich denke, Siebeten nnn, daß ich gcdcmüthiget werden möge; denn nnn fehlt eSmir nicht an gnlen Wegen, und den Nagel an der Chaise habe ichmit einer Feder machen lassen.
Fahren Sie fort mir die Neuigkeiten von Hamburg mitzutheilen,die Ihnen nicht fehlen können, wenn Sie die Corrcfpondenz mit dem V.unterhalten. Habe ich eS Ihnen nicht schon gesagt, daß er unterScylcrs Gesellschaft eine Amourette haben müßte, ich glaube es istdie B.; denn er hat mir von ihrer Tugend so viel vorgesagt. —
Ich würde für den König von Dänemark ganz eingenommen seyn,wenn ich wüßte, ob Er die Minna vorher je gelesen oder aufführen