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Braunschwcig, den 9. Sept. 1770.Schon wieder ein Briefs Ja freylich! Ich habe die beyden letz-te» Bogen, die Sie abdrucken lassen, mit sehr großem Vergnügengelesen. Ihre Sache wird wichtig! Außerordentlich wichtig! WaSmuß man von mir denken, daß ich Ixn!»'»« seelorum kantorum sr-lii-ljue I'elüsgao in der Anmerkung geschrieben habe, daß BerengarsFragmente allenthalben Spuren des Stolzes zeigten? Eben das, waser vom Fulbertus sagt, und der Ausdruck inenlus monaelius ver-leitete mich. Ich Kurzsichtiger! Da Sie, mein liebster Lesstug, vomFulbertuS mit Recht sagen, daß er den Bercngarius unmöglich habeals einen Teufel verwünschen können, hätte ich recht sehr gewünscht,daß Ihnen der Ausdruck AdelmannS in die Augen gefallen wäre:nlikeernns zier kuavillimiun inomoriam k'ulbertl. Ist dieser nichtschon Beweises genug, daß Sie recht haben? Vielleicht können Siediesen Umstand im sechsten Briefe nachbringen? Leben Sie wohl.Ich eile den Undankbaren vorstellen zu sehen. Der Himmel gebe,daß ich nicht Verse höre, sonst ziehe ich in der ersten Scene aus.
Schmid.
Braunschweig d. . . Scptemb. 1770.Hier schicke ich Ihnen, mein liebster Lessing, den Ernesti mitTellers geschriebenen Randglossen geschmückt. Ich habe die Dispu-tation selbst bey dieser Gelegenheit durchgelesen. Ich sehe ihr, ich weißnicht was für einen Zwang an. Vielleicht aber habe ich Unrecht —Wenigstens sollte er doch ein Wort von Ihrem Bercngar, uud dermerkwürdigen Zeit, worinn er gelebt hat, gesagt haben. — Dem HerrnAbt Tavpzov habe ich Ihre Bogen zum Durchlcscn gegeben. Ichhabe sie noch nicht wieder, sonst hätte ich sie beygelegt. ES war ihmungcmcin angenehm, und er wollte, wie er mir sagte, sich die Frey-heit nehme», und Ihnen gerne alles mittheilen, was er etwa zu erin-nern fände. Der letzte Ccrrecttirbogc», der dabey ist, setzt Sie dochnicht in Verlegenheit? Ich habe darum noch ein paar umgekehrteBuchstabe» corrigirt. Sobald ich die Bogen wieder in Händen habe,werde ich sie übcrschicke». Den Zcibig culln morlis ok imaAi'nobesitze ich auch. Obnfchlbar habe» Sie ih». Wen» Sie ihn aberauch nicht haben, so sollen Sie ihn doch nicht lesen, und währendIhrer Bcrcngarischcn Epoche, sich damit nicht zerstreuen. Lebe» Siewohl, liebster Lcsstiig.
Schmid.