248 Briefe an Lessiug. 4770.
rial überreicht haben, worinn er gebeten, man möchte ihm die Censurabnehmen. Dieses hat er aber versiegelt zurück erhalten, nebst demBefehl der Kaiserinn. Solimann hat zum Vorwande gcdicnet. Obes gleich dreymahl aufgeführet worden, so ist eS doch nun verbothen.Erst fand man nur das Schnupftuch anstößig, und der Sultan mußteder Rcxcllane dafür einen Spiegel geben. Erklären Sie mir dock,wie durch diesen Tausch das Anstößige gehoben ist. Wollte ich jawelches darinnen suchen, so würde ich es nicht in dem, was er ihrgiebt, sondern in der Absicht, warum er es ihr giebt, suchen. SeitSolimann verboten, der unterdessen dem Unternehmer vieles eingcbracht, ist viermahl hintereinander ein neues Stück von Stephauidem Acltern (die Liebe in Corstca, oder welch ein AnSgang!) aufgc-führet worden. Mit so vielem Beyfall, daß die dritte Repräsenta-tion, die allezeit für Stephan!, wenn er ein neues Stück liefert, ihm2Wt) st. eingebracht haben soll. Meines Erachtcns wäre es mit we-niger bezahlt; ich gönne c§ ihm aber, weil er durchgchends den Rnhmeines braven Mannes hat. Durch sei» Spiel bin ich zwar noch nichtaußerordentlich für ihn eingenommen. Vermuthlich, weil ich mir zuviel von ihm vorstellte-
Die Bekanntschaft des S... schen Hauses habe ich noch nichtweiter cultivirt, und bin seitdem nicht wieder da gewesen. Denn ichbin so wenig Herr über meine Zeit, daß das Vornehmen, so ich et«lichcmahl gefaßt, einen Tag einmal für mich zuzubringen, noch immervereitelt worden. Ehe ich michs versehe, werde ich da und dorthinabgeholt. — Unter alle» Plaistrs, die man mir bisher zu machen ge-sucht, hatte ich gestern das größte. Ich war in der Weinlese, dochmerkte ich an, daß die Arbeiter lange nicht so vergnügt, als in mei-nem Vaterlande waren. Als man mir sagte, es wäre ein Herrschaft-licher Weinberg, so brauchte ich nicht weiter nach der Ursache zu fra-gen. Ich halte die SatiSfaction, daß meine Anmerkung das Mitleideines Herrn aus unserer Gesellschaft rege machte, daß er ste alle be-schenkte. Nun hätten Sie die heitern Gesichter sehen sollen. Ichhätte den Mann, ob er gleich scchSzig Zahr alt ist, umarmen mögen,daß er uns dies angenehine Spectakel verschaffte. — Nun muß ichIhnen noch im Vorbeygehen sagen, daß Zhr Chevalier Riccaut de laMarliuiere dichte bey mir an logirt. Sie dächten wohl nicht, daßich ihn hier getroffen hätte« Ein andermal mehr von ihm. Heutehat er mich so sehr ennnyirt, daß ich nichts weiter von ihm redenmag. — Kommt Klopstockö Aijxle hjxr wollen es behaupten. Wenn