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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe a» Lessing . 1770.

dem: den keimet und erwartet man so schon von Ihnen, als etwasIhnen eigenthümliches, das Sie nie verleugnen, nie ablegen können) son-dein auch noch mehr die (Gründlichkeit, mit welcher Sie in Ihr Themaeindringen und es erweisen. Wiewohl ein Geist wie der Ihrige, istzu allem aufgelegt. (5r findet sich in alles. Ucbcrall, wo er nurhinkommt, bringt er Deutlichkeit und Scharfsinn mit. Ueber alles,was er bearbeitet, breitet er Licht und Anmuth aus.

Für die Nachrichten, die griechischen Redner betreffend, bin ichEuer Hochedelgebohrnen. sehr verbunden. Daß ein Manuscript vomAeschineS sich zu Helmstädl befinde, das ist für mich etwas neues undunerwartetes. Daß mein Aettcr, der Herr Professor WcrnSdorf, mirnie etwas davon geschrieben hat, das könnte ich gewiß nicht begreifen,wenn ich nicht sonst schon ans andern Dutis ziemlich zuverlässig wüßte,daß er ein wenig ungeschäslig sey. Thun Sie mir doch die Liebe,mein hochgeehrtester Herr Bibliothekar, und lassen mir dieses Ma-nuscript, entweder in Natura, wenn cS scyu könnte, oder wenigstenseine zuverlässige Collation davon zukommen, und je eher, je lieber.Denn künftige Woche G. G. wird der Abdruck des AeschineS ange-fangen werden. Weil ich von allen Oricn und Enden vernehme, daßman neben dem Griechischen auch gerne die lateinische Uebersctzung unddie Anmerkungen darunter hätte, damit man, was zu jeder Stellegehört, und darüber geschrieben ist, mit einem Blicke überschauen könne:so habe ich mich entschließen müssen, meinem Aeschincs eine neue Ge-stalt zn geben, und ein anderes größeres Format zu wählen. Er wirdalso in Großmedian-Quart gedruckt werden. Auf der einen Seileder Tert, gegenüber die Ilebersctznng, und unten darunter die griechi-schen Scholia, und die Anmerkungen von Wölfen, Taylor, Marklandund mir. Von den griechischen Scholicn zum AeschineS habe ich einedreyfache Abschrift, und unter deu Taylorschcn Papieren, die ich mirerst vor kurzem aus London erhalten habe, auch noch einen andernvon jenen verschiednen Scholiastcn entdeckt. Das Anerbieten EuerHochedelgebohrnen, mir eine Abschrift von den Scholiastcn aus derReimarischen Verlassenschaft zu verschaffen, muß ich nun zwar wohlablehnen, weil ich mit diesem Hülfsmittel genugsam versehen bin, gleich-wohl möchte ich aber doch wohl gerne wissen, durch welchen .^analSie es mir verschaffen könnten, im Falle, daß ich dessen benöthigtwäre. Denn es könnte sich zutreffen, daß in den Reimarischcn Pa-pieren noch eines und das andere wäre, das ich bey meinem Unter-nehmen nutzen könnte. Auch mochte ich wohl die seltene Ausgabe vonDemosiheneS Rede iu (.'mronem, deren Euer Hochedelgebohrnen in